Die Chronik der Schützengesellschaft Hermannsburg e.V. von 1921 - 1996


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Geschichte der Schützengesellschaft Hermannsburg 1921 - 1996

 

Vorwort  und Dank

 

Rechtzeitig zum 75. Geburtstag der Schützengesellschaft Hermannsburg kann nun diese Chronik vorgelegt werden.

 Es ist mehr geworden als eine Chronik, sofern man darunter nur eine nach Jahren geordnete Aufstellung von Ereignissen und Namen versteht. Es ist auch mehr geworden als eine Festschrift, die nur auf ein bestimmtes Jubiläum zuge­schnitten ist.

 Es ist in manchen Kapiteln vielleicht sogar eine heimatgeschichtliche Arbeit geworden, wenn auch kein trockenes wissenschaftliches Elaborat, das in allen Teilen mit Quellen belegt und exakt  nachprüfbar wäre. Auf jeden Fall ist es lesbar geworden und interessant auch für einen größeren Leserkreis  als nur die Hermannsburger Schützen.

 Diese Chronik – nennen wir es mal so – hätte schon früher geschrieben wer­den sollen. Zumindest zu einer Zeit, da noch Augenzeugen aus den Grün­dungsjahren lebten. An Anregungen dazu hat es nicht gefehlt, das geht aus den alten Protokollen hervor.

 

 Diese Protokolle von Schützenversammlungen sind seit der Gründung des Vereins fast vollzählig überliefert. Bei der Entzifferung dieser besonders in den Anfangsjahren häufig mit einem stumpfen Bleistift in Sütterlinschrift zu Papier gebrachten Protokolle stellte sich dann allerdings heraus, daß sie für die vor­liegende Arbeit nur ein Gerüst sein konnten, ein Skelett ohne Fleisch, Haut und Haaren. Trotz einer stellenweise vorhandenen Langatmigkeit waren die echten Informationen dürftig.

 Um nun also aus diesem "Skelett"  ein Wesen aus Fleisch und Blut zu machen, mußten andere Quellen angezapft werden. Das erforderte für die erste Lebenshälfte des Vereins viel Fragen, Geduld und Spürsinn. An vielen Ereignissen aus der zweiten Lebenshälfte war ich dann allerdings selbst beteiligt, gestaltend oder zuschauend.

 Viele haben mir geholfen.

 Es ist unmöglich, alle zu nennen.

 Entscheidende Hilfe allerdings leistete die Cellesche Zeitung mit ihrem Archiv, in dem ich die Berichte über alle Schützenfeste von 1922 bis 1938 fand und kopieren durfte. Dabei hat Frau Sybille Zang- Scheibel als Archivarin mit Rat und Tat geholfen. Ohne diese Quelle bei unserer Heimatzeitung wäre wohl kaum etwas zustandegekommen!

Eine weitere Quelle sprudelte im Archiv des Landkreises Celle, das Herr Rai­ner Voß verwaltet. Auch ihm bin ich zu Dank verpflichtet für die Suche nach vielen wertvollen alten Dokumenten.

 Erwähnt werden muß auch Herr Karl Heitmann aus Bergen, in dessen heimat­geschichtlicher Sammlung eine weitere ergiebige Quelle sprudelte. Herr Heit­mann hat u.a. die regionalen Mitteilungsblätter aus dem nördlichen Landkreis ausgewertet und mir alles zukommen lassen, was die Hermannsburger Schüt­zen betraf.

 Die Tabellen mit den Schießergebnissen habe ich nach den priva­ten Aufzeichnungen zweier Meisterschützen zusammengestellt, deren Namen dort häufig auftauchen: Frau Erika Maag- Brammer und Dr. Veit Georg Schmidt.

Die älteren Bilder stammen überwiegend aus dem Besitz von Schüt­zenbrüdern. Die neueren kommen aus dem Fotohaus Deutgen in Hermanns­burg, nachdem Frau Solveigh Deutgen das Amt ihres Vaters als Hof- Fotograf der Schützen übernommen hat.

Allen Helfern sage ich hiermit herzlichen Dank!

Mir selbst hat diese Arbeit Freude gemacht. Ich betrachte sie nun allerdings nicht für abgeschlossen mit dieser Veröffentlichung. Ich rechne sogar damit, daß bei diesem oder jenem Leser Erinnerungen geweckt werden, daß alte Bilder oder Schriftstücke auftauchen, die es wert sind, überliefert zu werden.

Auch Ergänzungen und Richtigstellungen sind willkommen, nobody is perfect ! Einen ganz besonderen Dank sage ich allen Vereinsmitgliedern, die als Sponsoren den Druck der Chronik ermöglichten.

 

 

Peter Vogel

 

 

 

 

 Zur Person:

 seit 1957 in Hermannsburg ansässig,

 seit 1963 Mitglied der Schützengesellschaft,

 von 1968 bis 1989 zweiter Vorsitzender,

 seitdem im Schafferrat als Schriftführer.

 

 

Die Gründungsjahre

 

Der 6. Juli 1921 ist das Gründungsdatum der Schützengesellschaft Hermanns­burg. Es ist "urkundlich" belegt, und zwar durch eine Niederschrift auf der er­sten Seite eines dicken Buches, in das hinfort von jeder Versammlung ein Pro­tokoll eingetragen wurde. Es sei im Wortlaut wiedergegeben:

 

 

Hermannsburg, den 6. Juli 1921

 

Sitzung betreffs Gründung eines Schützenvereins

 

1.)  Es sind anwesend die Herren: Riechers, Möller, Heinrich Lüth, Hermann  Thies, Karl Albers, Th. Babatz, Albert Ehlers, Tierarzt Niebuhr, Thiele, Otto Hiestermann, Schröder, Schwenker, Karl Hiestermann, Sasse/Lutterloh.

2.)  Wahl eines provisorischen Vorsitzenden durch Zuruf.

1. Provisorischer  Vorsitzender: Otto August Riechers

2. Provisorischer Vorsitzender: Heinrich Möller

Provisorischer Schriftführer: Karl Hiestermann

3.) 1. Provisorischer Vorsitzender Riechers läßt sich die Statuten des Schüt­zenvereins Hannover schicken, anhand dessen die Statuten des Schützenver­eins Hermannsbsurg festzulegen, dieselben in der einberufenen Versammlung vorzulegen.

4.) Zweck. Der Zweck unseres Vereins Hermannsburg und Umg. ist, den Schießsport gründlich zu erlernen. Auch soll es unser Bestreben sein, unsere Jugend, wie vom Reichsministerium empfohlen, mit jedem Sport bekanntzu­ma­chen.

5.)  Der Scheibenstand ist dem prov. Vorsitzenden Riechers durch Herrn H. Hie­stermann (Brandsbur) zugesichert worden. Auch die Scheibenbüchse von Herrn Th. Babatz ist dem Verein zugesichert worden. Politisch- parteiische Zwecke werden in dem Verein nicht verfolgt!

6. ) 2. Versammlung am 20. Juli 1921 abends 7 Uhr. Eingeladen: Pastor Prenz­ler, Sup. Ehlers, Pastor Werner, Pastor Kiehne.

7.)  Die erste Versammlung wurde um 11,15 Uhr von dem prov. Vors. Riechers zu aller Zufriedenheit der Anwesenden geschlossen.

 

V.u.g. gez. Otto  August Riechers

 

 

Was waren das für Männer, die hier zusammengewürfelt und teilweise ohne Vornamen und Beruf genannt sind?

 

Otto August Riechers war Gastwirt in Völkers Hotel.

Heinrich Möller war Friseur und hatten seinen "Salon" in der Celler Straße, heute die Gaststätte Zur alten Schmiede. Er hörte auf den Spitznamen Seben­heini. (Sebe = Seife )

Heinrich Lüth war Lehrer in Lutterloh. (Es gab dort bis 1962 eine einklassige Schule, die die Kinder aus Lutterloh, Theerhof, Schröderhof, Wiechel und Queloh besuchten.)

Hermann Thies war der Wirt im Gasthaus Heidehof.

Karl Albers war Viehhändler und wohnte im Gerichtsweg.

Theo Babatz hatte eine Manufakturwarengeschäft (Textilgeschäft) in der  Bil­lingstraße, heute eine Gaststätte.

Albert Ehlers war Schmied an der Ecke Celler Straße – Billingstraße, noch heute "Ehlers Ecke" genannt.

Tierarzt Dr. Kurt Niebuhr war als "Dr. Vierfuß" stadtbekannt.

Willi Thiele war der Verwalter in der Molkerei, die früher in dem Hause Celler Straße 6 war.

Otto Hiestermann war Hofbesitzer und Gastwirt in Lutterloh.

Heinrich Schröder kam ebenfalls aus Lutterloh. Er war von Beruf Zimmermann und nebenbei Jagdaufseher.

Wilhelm Schwenker war auf dem jetzigen Meyer`schen Hof in Lutterloh zu­nächst Verwalter für den Besitzer Reinhold, dann Pächter.

Karl Hiestermann war der Bruder von Otto H. und von Beruf Lehrer.

Fritz Sasse war zunächst Landarbeiter auf dem Hiestermann`schen Hof, da­nach Privatförster und Jagdaufseher und Eigentümer einer Silberfuchsfarm in Lutterloh.

 

Nur 14 Tage später war schon die zweite Versammlung des neu gegründeten Vereins. Da wurden weitere 17 neue Mitglieder aufgenommen.

Unter ihnen waren: Schneidermeister Wilhelm Kruse, Schuhmachermeister Bruno Hermsdorf, Uhrmacher Otto Ritter, Klempner Erich Ahrens, Willi Witt­mann (Schlosserei und Fahrradhandel), Wilhelm Kaiser (Obst und Gemüse), Förster Kurt Hinze, Postschaffner August Renner, Fuhrunternehmer Ernst Schubert usw.

 Und die Satzung war offensichtlich auch schon fertig, jetzt fehlte nur noch der ordnungsgemäß gewählte Vorstand.

Vorsitzender mit dem Titel Oberschützenmeister wurde Förster Hinze, sein Stellvertreter mit dem Titel Schützenmeister Otto Hiestermann.

 1. Schriftführer wurde Bruno Hermsdorf, 2. Schriftführer Heinrich Möller.

 Otto Ritter und Hermann Thies waren die Schatzmeister.

 Die 3 Beisitzer waren Dr. Niebuhr, Fritz Sasse und Bauer Heinrich Winterhoff.

 

Leider ist die Satzung von 1921 verschollen, sodaß man nicht mehr feststellen kann, wer von den Herren den Verein nach außen vertreten durfte.

 Diese 9 Männer sind jedenfalls als Vorstand der Schützengesellschaft beim Amtsgericht in Bergen vermerkt, wo der Verein am 16.3.1922 unter Nr. 12 in das Vereinsregister eingetragen wurde und sich somit e.V. nennen durfte.

 

Nachdem dem Leser nun schon so viele "Männer der ersten Stunde"

vorgestellt sind, ist eine Beurteilung interessant, die der Hermannsburger Ge­meindevorsteher Georg Dehning in einem Brief an den Landrat in Celle dazu abgab: "Es sind einige Leute, hier noch nicht länger ansässig, mit den hiesigen Ortsverhältnissen wenig vertraut und im öffentlichen Leben von Hermannsburg ohne Bedeutung!"

Sicher kamen einige der Gründungsmitglieder aus Lutterloh – Gemeinde Wee­sen – und konnten bei enger Auslegung vielleicht als ortsfremd bezeichnet werden. Aber schließlich gehörte auch Lutterloh zum Kirchspiel Hermannsburg, und es gab vielfältige Beziehungen zwischen den Orten.

 Die Worte des Gemeindevorstehers sprechen nicht gerade von großer Wert­schätzung für den Verein! Und damit stand er nicht allein!

Bemerkenswert in dem Gründungsprotokoll ist da Punkt 6. Schon zur zweiten Versammlung des neuen Vereins werden die Vertreter der örtlichen Kirchen eingeladen. Die ausgestreckte Hand ist nicht zu übersehen, der Versuch, mit den Kirchen zu einem gutnachbarlichen Verhältnis zu kommen.

 Wir müssen nun der Geschichte etwas vorgreifen.

 Die eingeladenen Pastoren kamen nicht zur nächsten Versammlung. Sie ka­men erst ein Jahr später, und sie machten aus ihrer ablehnenden Haltung dem Schützenverein gegenüber kein Hehl.

 Die Gründungsjahre sind überschattet durch offen ausgetragene Feindselig­keiten zwischen dem Schützenverein und den Kirchen. Es dauerte lange, bis die Kirchen dem Schützenverein seinen Platz im dörflichen Leben zubilligten und das Recht, die Freizeit der Bürger mitzugestalten.

 Bei dem heute herrschenden guten Einvernehmen kann man sich kaum vor­stellen, daß das mal anders war.

 Doch kehren wir zu dem chronologischen Ablauf der Ereignisse zurück. Zu­nächst sah es tatsächlich so aus, als habe man in Hermannsburg nur darauf gewartet, daß ein Schützenverein gegründet würde. Der Zulauf an Mitgliedern muß wohl den Vorstand veranlaßt haben, die Zukunft des Vereins etwas zu optimistisch zu sehen. Er ließ sich ermächtigen, mit der Mannheimer Versiche­rung über eine Haftpflichtversicherung für 100 Mann zu verhandeln. Man einig­te sich dann aber doch erstmal bei 60 Schützen.

 Das  zeigt, daß der Schießbetrieb offensichtlich schon gut angelaufen war. Nachdem die ersten Schießübungen wohl noch recht primitiv mit einer gelie­henen Büchse auf dem Hof von Heinrich Hiestermann stattgefunden hatten, verfügte der Verein schon 4 Wochen nach der Gründung über vier Gewehre. Diese Vorderlader gehörten den Herren Ritter, Babatz, Thies und Riechers. Dazu hatte man 300 Patronenhülsen, die dem Zeugmeister Kruse in Verwah­rung gegeben wurden. Der kriegte für das Laden der Patronen 25 Pfennig das Stück und für das Laden der Büchsen 25 Mark für den halben Tag. Geschos­sen wurde irgendwo im Freien, in Lutterloh, in Misselhorn oder im Sunder.

 Natürlich war das unbefriedigend, und der Verein war auf der Suche nach ei­nem Grundstück für einen ordentlichen Schießstand. In Hermannsburg stieß er aus den erwähnten Gründen überall auf taube Ohren.

 In dieser Situation machte der Hofbesitzer Heinrich Penzhorn in Misselhorn den Schützen das Angebot, auf seinem Grund und Boden Platz für einen Schießstand und ein Schützenhaus zur Verfügung zu stellen.

 Der Weg nach Misselhorn war zwar weit. Auf der anderen Seite aber hatte dieser Standort den Vorteil, daß man in der Gemeinde Weesen dem "Machtbereich" des Hermannsburger Gemeindevorstehers entzogen war.

 

Woher kam nun das Geld, um das sich 2 Schatzmeister kümmern sollten? Je­des Mitglied zahlte ein Eintrittsgeld von 20 Mark und einen Jahresbeitrag von 24 Mark. Außerdem ging bei jeder Versammlung ein Hut herum. Die Sammel­ergebnisse sind oft in den Protokollen vermerkt, mal 72 Mark, mal 68 Mark usw. Sachspenden wurden natürlich auch gerne genommen und manchmal lo­bend erwähnt: "Zellstoff für die Scheiben von Ssymank und Sackleinen von Ot­to Hiestermann."

Riechers kaufte einen Zimmerstutzen und stellte ihn dem Verein zur Verfügung für eine Leihgebühr von 1 Mark pro Mann. Mit diesem Zimmerstutzen konnte man überall schießen, sogar auf der Kegelbahn des Gasthauses Heidehof.

 Mit den größeren Kalibern gingen die Schützen dann nach Misselhorn, so auch mit der neu angeschafften Wehrmannsbüchse, einem Militärgewehr also. Damit wurde auf eine Entfernung von 175m auf eine 20er Ringscheibe ge­schossen. Die Schießbahn lief vom Stand aus parallel zur Straße Hermanns­burg- Unterlüß in den Wald hinein und hatte am Ende eine primitive Anzeiger­deckung mit einem Erdwall.

 Im März 1924 gab Herr Penzhorn die Genehmigung zum Bau eines Schieß­hauses. Dieses Holzhaus, das heute noch hinter dem Gasthaus Zur Heid­schnucke in Misselhorn steht, ist das Ergebnis von vielen Stunden Arbeit der Schützen und Spenden. Es muß in Rekordzeit fertiggeworden sein, denn schon zum Schützenfest Ende Juli 1924 steht es in voller Schönheit als Kulisse auf der Gruppenaufnahme des Vereins.

 Kann man sich einen Schützenverein ohne König und ohne Schützenfest vor­stellen?

So plante also die Schützengesellschaft für die ersten Julitage des Jahres 1922 das erste Schützenfest in Hermannsburg und Misselhorn. Es sollte wirk­lich ein großes Fest werden, ein Paukenschlag sozusagen, ein tolles Debüt.

Infolgedessen wurde bald der halbe Verein für die Vorbereitungen mobilisiert. Es gab einen Festausschuß, eine Schießkommission, ein Empfangskomitee und sonstige Posten. Die Liste der eingeladenen Vereine gibt einen interessan­ten Einblick in das Vereinsleben in jenen Jahren.

Aus Hermannsburg selbst sollten kommen: zwei Kriegervereine, beide Turn­vereine, der Radfahrerverein und der Gesangverein, dazu der Radfahrerverein aus Baven, zwei Kriegervereine aus Müden, Turnverein und Gesangverein Ol­dendorf, ferner zwei Vereine aus Unterlüß, drei aus Eschede, vier aus Eversen, vier aus Sülze, die Feuerwehren aus Beckedorf und Wohlde und aus Bergen "alles", was immer das heißen mag.

 Das Empfangskomitee hätte alle Hände voll zu tun gehabt, wenn ... ja, wenn nichts dazwischengekommen wäre. Und dabei überstürzten sich die Ereignisse geradezu.

Keine 4 Wochen vor dem geplanten Schützenfesttermin schrieb der Her­mannsburger Gemeindevorsteher Dehning an den Landrat in Celle jenen schon erwähnten Brief: " Das  Vorhaben dieser paar Leute ( eben ein Schüt­zenfest zu feiern -) findet nicht die Billigung der Einwohnerschaft. Sollten die Leute einen Umzug durch den Ort beantragen, so bitte ich, die Genehmigung nicht zu erteilen!" Gegen das eigentliche Schützenfest in Misselhorn konnte er nicht angehen, da es in der Gemeinde Weesen stattfinden sollte. Er konnte rechtlich nur gegen einen Umzug in Hermannsburg etwas unternehmen.

Da waren die Pastoren nicht so zimperlich!

 Das Protokoll der Versammlung vom 16. Juni 1922 ist kurz und läßt die Dra­matik nur ahnen.

 

Die Generalversammlung wurde um 8 1/2 Uhr eröffnet.

 Ansprache des Vorsitzenden Herrn Hinze, danach Ausführung der vier Geistli­chen.

 Diese führten kirchliche Bedenken ins Feld und wiesen auf die Entnervung der Jugend durch Alkohol und Tanz hin.

 Der Vertreter der Mission stellte auch Gegenmaßnahmen der Missionsschulen in Aussicht.

 Aus der Versammlung konnten die treffenden Ausführungen nicht entkräftet werden.

 Die öffentliche Aussprache wurde um 10 Uhr geschlossen.

 Vereinsseitig waren anwesend:

 (es folgen die Namen von 33 Schützenbrü­dern)

 

 Für den Fall, daß der eine oder andere Schütze bei dieser offenen Konfronta­-

tion nun doch kalte Füße bekommen hatte, heißt es im übernächsten Satz des Protokolls: "Wer den Schützenausmarsch ohne triftigen nachgewiesenen Grund nicht mitmacht, ist aus dem Verein ausgeschlossen!"

 

Dann trifft die Antwort des Landrats ein. Er will das Fest nur genehmigen,

wenn es ein echtes Volksfest ist, das auch bisher schon in althergebrachter Weise gefeiert wurde. Das können die Schützen natürlich nicht nachweisen und beschweren sich beim Regierungspräsidenten in Lüneburg.

 Die Beschwerde hat Erfolg, der Landrat ist vergrätzt, genehmigt aber das Fest ausnahmsweise und "lediglich mit Rücksicht darauf, daß seitens des Vereins alle Vorbereitungen getroffen sind, und um die Vereinsmitglieder vor großem pekuniären Schaden zu bewahren."

Drei Tage vor dem Fest beschließen die Schützen, den Ausmarsch fallenzu­lassen! Die Pastoren verfassen eine gemeinsame Erklärung, mit der sie "im Namen der Kirchenvorstände, als Freunde des Vaterlandes, als  Christen und als Hermannsburger" vor der Teilnahme am Schützenfest warnen. Diese Erklä­rung wird von allen drei Kanzeln in Hermannsburg verlesen!

 Wobei man wis­sen muß, daß es in Hermannsburg neben der Landeskirche noch zwei ev.- lu­th. Freikirchen gibt.

 Das Schützenfest 1922 fand dann aber doch – weit weg – in Misselhorn statt. Erster Schützenkönig des jungen Vereins wurde Fahrradhändler Willi Witt­mann. Er bekam einen schönen Orden und eine Königsscheibe, an der folgen­de Geschichte hängt:

 Willi Wittmann wohnte zur Miete in der Billingstraße im Hause Eilers und hatte dort auf dem Hof eine kleine Werkstatt. Der Hausbesitzer wollten ihm aber nicht erlauben, die Königsscheibe an der Vorderfront des Hauses anzubringen. Voll Grimm hängte Wittmann die Scheibe über die Tür seiner Werkstatt und sagte: "Dann baue ich mir eben selber ein Haus!" Das tat er dann auch. Das Haus steht Billingstraße 50.

Das Jahr 1923 hatte gerade angefangen, da planten die Schützen schon das neue Schützenfest und setzten ein 10köpfiges Festkomitee ein.

 Ab da wird es schwierig, sich aus den Protokollen ein Bild der Ereignisse zu machen. Es werden Beschlüsse gefaßt und wieder rückgängig gemacht, es werden Pläne gemacht und wieder verworfen. Mal soll ein Schützenfest gefei­ert werden, mal soll nur ein Preisschießen veranstaltet werden.

 Es sieht so aus, als seien die Schützen selbst uneinig gewesen und als ahnten sie, daß sich dunkle Wolken über ihnen zusammenzogen.

 Aus diesen dunklen Wolken zuckte dann auch tatsächlich ein Blitz in Form eines Briefes der Hermannsburger Kirchenvertreter an den Landrat Heinichen in Celle. Da heißt es wörtlich: Alle Ernstgesinnten im hiesigen Umkreis sind entrüstet, daß man in dieser für unser Vaterland so namenlos schweren Zeit ein solch rauschendes Fest feiern will. Auch die einsichtigen Mitglieder der Schützengesellschaft waren dagegen, sind aber von junger vergnügungssüch­tiger Majorität überstimmt worden.

Daher bitten wir Unterzeichnete, die landrätliche Erlaubnis für ein Schützenfest zu versagen. Wir würden uns sonst genötigt sehen, eine Protestversammlung einzuberufen, da wir unter keinen Umständen der Abhaltung eines Schützenfe­stes ruhig zusehen werden!

Die Unterzeichneten waren die Pastoren Ehlers, Werner und Dr. Prenzler und für die Missionsanstalt Georg Haccius.

 Dieser Brief lag schon 4 Wochen auf dem Landratsamt, da kam überhaupt erst der offizielle Antrag des Schützenvereins auf Genehmigung des Festes. Das Programm dieses Festes war arg zusammengestrichen worden und stellte sicher den Versuch eines Kompromisses dar. Unterschrieben vom damaligen Vorsitzenden Hofbesitzer Heinrich Hiestermann sah die Festfolge für Sonntag, den 13. August 1923 so aus:

 Morgens 6 Uhr Ausmarsch nach Misselhorn zum Schießen, um 9 Uhr Rück­marsch zum Vereinslokal, dann den hiesigen kirchlichen Verhältnissen ent­sprechend bis 3 1/2 Uhr Pause, hierauf Ausmarsch zum Königsschießen und Beginn des Tanzes im Zelt auf dem Hof des Vereinswirts.

 Nun kam dem Landrat sicher höchst gelegen, daß wenige Tage vorher alle Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller Umzüge durch einen Erlaß des Preußischen Minister des Inneren verboten worden waren. Einen besseren Grund, das Schützenfest zu verbieten, konnte er gar nicht finden.

 Er konnte es sich aber nicht verkneifen, in einem Nachsatz darauf hinzuwei­sen, daß der Verlauf des Festes im vorigen Jahr (1922) den Beweis geliefert habe, daß es kein Volksfest war.

 Das hätte er nicht tun sollen! Denn dagegen legte die Schützen wieder beim Regierungspräsidenten Beschwerde ein.

 Der aber saß in Lüneburg weitab vom Schuß und forderte, um entscheiden zu können, nun Augenzeugenberichte aus Hermannsburg an. Und zwar mit der Überschrift: Eilt sehr! Frist 3 Tage!

Inzwischen war aber der ins Auge gefaßte  Schützenfesttermin schon verstri­chen. Am 15. August 1923 berichtete der Gemeindevorsteher Dehning dann in einem 3 Seiten langen, in akkurater deutscher Schrift verfaßten Brief an den Landrat zur Weiterleitung nach Lüneburg. Die verzierten und verschachtelten "behördendeutschen" Sätze ranken sich um folgende Kernpunkte:

Es bestand kein Anlaß zur Gründung eines Schützenvereins in Hermanns­burg, da das Bedürfnis, die Schießkunst zu üben, durch 2 große Kriegerver­eine be­friedigt wurde.

 Der Schützenverein erfreut sich keines besonderen Ansehens.

Die Beteiligung der Bevölkerung an dem vorjährigen Versuch eines Schützen­festes war ganz kläglich.

 Der Schützenverein hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung.

 Von einem Volksfest kann man nicht im geringsten sprechen.

 Das Verbot des Schützenfestes ist hier allgemein freudig begrüßt worden.

 

 Um diese Angaben richtig einordnen zu können, muß man hinzufügen, daß Georg Dehning nicht nur Gemeindevorsteher war, sondern auch Kirchenvor­steher der Großen Kreuzgemeinde und Mitglied des Missionsausschusses.

Der Landrat leitete diesen Bericht nach Lüneburg weiter und verteidigte sein Verbot des Schützenfestes. Dabei nahm er es dem Verein wirklich sehr übel, daß der nun schon zweimal gegen seine Anordnungen auf dem Beschwerde­wege angegangen war, das zweite Mal sogar mit Hilfe eines Rechtsanwalts.

 Es blieb bei dem Verbot, das Schützenfest 1923 durfte nicht stattfinden.

 Aber irgendwie muß es doch über die Bühne gegangen sein, wenn auch ohne Umzug, sozusagen unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Es wurde auch ein Kö­nig ausgeschossen. Albert Ehlers errang die Würde.

 Und es entstand das erste Gruppenbild des Vereins, das überliefert ist.

 Beim Betrachten dieses und auch der Bilder aus den folgenden Jahren drängt sich geradezu der Vergleich mit Familienfotos auf. Es war tatsächlich eine große Familie, die da zusammenkam. Die Anfeindungen in Hermannsburg, das Exil in Misselhorn... das schweißte zusammen.

 Der Leser wird jetzt unschwer erraten können, was 1924 passierte.

 Es liegen wieder zwei Briefe vom Gemeindevorsteher an den Landrat in den Akten, in denen dringend darum gebeten wird, keine Genehmigung zu einem Schützenfest zu erteilen.

Begründung wie bisher: Die Bevölkerung lehnt ein solches Fest ab, findet es unschicklich und nimmt daran Anstoß.

 Diesmal aber mögen dem Landrat  wohl Bedenken gekommen sein ob dieser penetranten Ablehnung. Denn jetzt forderte er von Oberlandjäger Riekmann – der örtlichen Polizeibehörde also – einen Bericht an.

In dem heißt es dann unter anderem wörtlich: Soweit festgestellt werden konn­te, ist der Einspruch hauptsächlich von der Geistlichkeit, sowie von den Kir­chenvorstehern und nicht von der Allgemeinheit erfolgt. Es ist eigentlich nicht recht verständlich, warum man gerade gegen die Abhaltung eines Schützenfe­stes, welches doch überall als Volksfest gefeiert wird, Einspruch erhebt. Der Schützenverein will durchaus nicht störend auf die kirchlichen Verhältnisse einwirken. So soll zum Beispiel der übliche Umzug unterbleiben. Der Verein will nur direkt vom Vereinslokal nach Misselhorn zum Festplatz marschieren.  In Hermannsburg selbst würde somit kaum etwas von dem ganzen Schützen­fest zu merken sein.

Dafür war in Misselhorn um so mehr vom Schützenfest zu merken. Aber es ist wohl noch verfrüht, schon von einem Volksfest zu sprechen.

Das Programm zog sich über 2 Tage hin und sah folgendermaßen aus:

1. Tag = Sonntag (es war der 27. Juli), 15 Uhr Antreten vor dem Vereinslokal Völkers Hotel zum Ausmarsch nach Misselhorn. Die Teilnahme war Pflicht. Drückeberger sollten vom Königsschießen ausgeschlossen werden!

Der Rest des Tages ging hin mit Volkspreisschießen und Tanz in der Scheune. Herren zahlten 2 Mark Tanzgeld, Damen 1 Mark.

Den besten Schützen winkten Geldpreise. Es waren 6 Preise im Gesamtwert von 40 Mark, gestaffelt von 15 Mark als erster Preis an abwärts.

 2. Tag = Montag, 11 Uhr Antreten und Abmarsch mit Musik nach Misselhorn, wo um 12 Uhr das Essen stattfand. Es gab Suppe, Schweine- und Schmorbra­ten mit Beilagen für 1,50 Mark!

Der Festwirt hieß Kohlmeyer. Er mußte für die Musik 300 Mark und freie Ver­pflegung stellen.

 Nach dem Essen war für die Vereinsmitglieder Preisschießen und Königs­schießen. Dann die Proklamation des neuen Königs und die Preisverteilung.

 Der König , es war Zahnarzt Kurt Giemenz, bekam 20 Mark Handgeld und als erster König die neue Kette, die der Verein kurz vorher für 186 Mark ange­schafft hatte.

 Diese Kette trägt heute noch jeder Schützenkönig. An ihr hängen silberne Wappenschildchen mit den Namen aller Könige seit dieser ersten Verleihung. Abends war wieder Tanz, diesmal zum verbilligten Tarif:

 Herren 1,50 Mark und  Damen 50 Pfennig.

Bald die Hälfte des Vereins war in irgendeiner Weise mit Planung und Organi­sation beschäftigt. Es gab Kommissionen für den Preiseinkauf, das Schießen, das Tanzen und das Kassieren.

Letzteres war nicht gerade das Unwichtigste. Denn der Verein lebte nicht nur von den Mitgliedsbeiträgen. Der Verein hatte um jene Zeit etwa 70 Mitglieder, jeder zahlte 1 Mark im Vierteljahr. Dieser Beitrag blieb 13 Jahre lang stabil und wurde dann auf 1,50 Mark im Quartal erhöht!

 Da mußte also schon beim Schützenfest nach Abzug aller Kosten was übrig­bleiben. Hofbesitzer Penzhorn bekam immerhin 100 Mark im Jahr als Pacht für die Scheune und den Platz für die Buden und Stände.

So wurden die Feste meistens an den höchstbietenden Gastwirt verpachtet. 1925  zahlte  Dietrich Kuhlmann z.B. dafür 430 Mark an den Verein.

 1926 richtete  Albert Ehlers das Fest aus und zahlte 400 Mark, 1927 war wie­der Kuhlmann dran, zahlte 150 Mark, stellte aber noch 8 Mann Musik mit freier Verpflegung. Vielleicht ist auch manchmal beim Preisschießen oder den Ein­trittsgeldern was übriggeblieben.

 Oberlandjäger Riekmann berichtete später dem Landrat: Das Schützenfest ist ruhig verlaufen und war an beiden Tagen gut besucht.

 Im Jahre 1926 kam es dann noch einmal zu einer Interven­tion der Kirchen ge­gen das Schützenfest.

In einem gemeinsamen Brief wandten sich der Superinten­dent und die Pasto­ren der 3 Kirchengemeinden an den Landrat: "Ein großer Teil der Bevölkerung nimmt an derarti­gen Festen Anstoß, da sie dem Hermannsburger Geist und der von Louis Harms überkomme­nen Tradition nicht entsprechen. Wir haben nichts gegen das Wettschießen, wohl aber gegen die sich anschließende Festlichkeit, zumal wenn der Sonntag dadurch gestört wird." Folglich baten sie darum, wenn es schon nicht möglich sei das ganze Fest, so doch wenigstens den Umzug zu verbieten.

 In Hermannsburg fand nämlich am 11.7.1926 auch eine Tagung des Ev.-luth. Schulvereins statt , und sie befürchteten eine Störung des Gottesdienstes, wie es im vorigen Jahr vorgekommen war. Das bestätigte auch der Gemeindevor­steher.

 Der Schützenverein verpflichtete sich bei Gendarm Riekmann, an allen Kir­chen still und ohne Musik vorbeizumarschieren. So geschah es auch.

 Damit soll dieses Kapitel in der Chronik abgeschlossen werden.

 Man lernte in Hermannsburg mit der Zeit, miteinander zu leben und sich ge­genseitig zu respektieren. Aber auch in der großen Politik ist es manchmal ein weiter Weg vom Waffenstillstand über einen Friedensvertrag bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und der Entsendung von Botschaftern. Diese  Entwicklung war auch hier vorgezeichnet, selbst wenn es noch 35 Jahre dauern sollte, bis ein Pastor der Landeskirche die Einladung zum Schützenfest spon­tan annahm und dabeisein wollte, wenn seine Gemeindeglieder feiern. Man solle dankbar sein, sagte er, daß es so ein Volksfest gebe, das zum Charakter und zum Wesen heimattreuer niedersächsischer Menschen paßt, zum ihrem Deutschsein und Christsein! (Ulrich Reymann, 1961)

Drei Jahre später stellte ein anderer Pastor Missionsfest und Schützenfest auf eine Stufe als die beiden großen Feste, an denen das Dorf als Ganzes teil­nimmt.

Er sei froh, die alte "stachlige Geschichte" zwischen Kirche und Schützen nicht genau zu kennen, er wolle sich unbelastet amüsieren. (Dr. Harm Alpers, 1964)

 

Schützenfeste und Vereinsleben 1927 bis 1933

 

Aus der Reihe der Schützenfeste können wir 1927 als bemerkenswert be­zeichnen. Da wurde die erste Vereinsfahne geweiht.

Es existiert ein Bild von diesem festlichen Ereignis. Es zeigt die vor Völkers Hotel angetretenen Schützen, die Gastvereine und Ehrengäste.  Auf den Stu­fen vor dem Hoteleingang Major von der Gröben und vor ihm zwei Fahnen­gruppen.

 Diese Fahne war dem Verein im April übergeben worden als " von einem un­genannten Spender gestiftet"! Laut Protokollnotiz wurde dem Anonymus ein dreifaches Horrido ausgebracht.

 Aber dann kam es wohl doch zu einem großen Rätselraten und zu versteckten Hinweisen auf den Spender. Jedenfalls wurde noch auf derselben Versamm­lung das Geheimnis gelüftet.

Das Protokoll hat einen Zusatz:" Die Fahne wurde nicht durch Otto Hiester­mann alleine gestiftet, sondern auch von den Schützenbrüdern Heinrich Hie­stermann (Brandsbur) , dem ehemaligen König Hohmann und Ernst Hiester­mann."

Diese Fahne ist dem Verein vorangetragen worden in guten und schlechten Zeiten. Sie hat lustig geflattert bei klingendem Spiel der Musik im Schützenum­zug, und sie hat sich gesenkt über den Gräbern verstorbener Schützenbrüder.

 Allein August Kuhlmann hat sie 25 Jahre lang getragen.

 1971 hatte die alte Fahne ausgedient. Der Verein schaffte eine neue an und gab der alten einen Ehrenplatz hinter Glas im Schützenhaus. Sie zeigte auf der einen Seite auf grünem Grund als Emblem einen fliegenden Adler über einer Ringscheibe und die Inschrift: Schützengesellschaft Hermannsburg und Umg. e.V. und die Jahreszahl 1927.

 Auf der anderen Seite sind auf beigem Grund zwei verschlungene Hände zu sehen, eine schwarz-weiß-rote Schleife mit Eichenblättern und die Inschrift: In Treue fest in schwerer Zeit!

 

 Der vorhin erwähnte Major von der Gröben stand später noch oft vor der Front der Schützen. Von 1935 bis 1949 war er Vereinsvorsitzender. Er war mit der Familie von Reden in Oldendorf verwandt, kam als entlassener Offizier aus dem 1. Weltkrieg nach Hermannsburg und wohnte hier zuerst in der Villa Cel­ler Straße 45. Er gehörte schon bald zum erweiterten Vorstand und war sicher der "militärische Berater" des Schützengesellschaft und zuständig für Fragen der Uniformierung und des Zeremoniells.

 Die Fahnengruppe und der Vorstand waren damals schon einheitlich geklei­det. Ab Februar 1928 trugen sie sogar Achselschnüre. Bei den anderen Schüt­zen ging das langsamer, obwohl man natürlich bestrebt war, die Zugehörigkeit zum Schützenverein auch äußerlich zu dokumentieren.

 Die ersten Utensilien der Schützenkleidung waren Hut und Abzeichen, die "Herrenausstatter" Babatz lieferte. Erst 1924 wurde auf einer Versammlung darüber gesprochen, ob man nicht einheitliche Joppen anschaffen sollte. Und Schneidermeister Kruse bot Schützenröcke zum Preise von 28 und 38 Mark an – auch auf Abzahlung!

So zeigen denn auch die ersten Gruppenaufnahmen des Vereins die Herren teils in jagdlicher Kleidung, teils im Sonntagsanzug mit Vatermörderkragen und Fliege, mit Weste und Uhrkette.

 Aber es gibt auch andere Bilder, wie zum Beispiel das historische Foto von 1927. Da stehen wohl 60 Schützen vor Völkers Hotel angetreten in Reih und Glied, fast alle mit schwarzen Hosen und Schützenröcken und -hut. Zumindest die Schützen im ersten Glied haben das Holzgewehr präsentiert, der Ober­schützenmeister hat den Degen gesenkt, die Kapelle spielt, man hört förmlich den Präsentiermarsch und kann sicher sein: hier führt ein alter Offizier das Kommando!

 Schießauszeichnungen und Schützenschnüre wurden wie selbstverständlich  auch an der zivilen Kleidung getragen. Sie wurden – so hatte es sich langsam eingebürgert – nach Ankunft des Ausmarsches am Sonntag in Misselhorn ver­liehen.

 

Die ausgiebige Berichterstattung über Spaß und Freude bei Schützenfesten sollte uns nicht vergessen lassen, daß diese Feste zwar Höhepunkte im Schüt­zenjahr waren, aber doch das sportliche Schießen immer im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stand.

In der Tat trainierten die Hermannsburger Schützen  regelmäßig und eifrig. Es wurden häufig Preisschießen veranstaltet. 1921 war mal ein lebender Hammel der Hauptpreis, später häufig ein Fahrrad. Mindestens 6 mal im Jahr mußte jedes Mitglied beim Übungsschießen mitmachen. Das wurde in ein Schieß­buch eingetragen. Als Anreiz für gute Leistungen gab es silberne Löffel.

Schon frühzeitig nahmen Hermannsburger Schützen an überregionalen Wett­kämpfen teil. So konnte man im Berger Boten im September 1927 lesen: Bei dem Schießen in Hannover konnte der Hermannsburger Schützenverein ruhmbe­deckt den Heimweg antreten, und zwar errang Schützenbruder Albert Ehlers trotz größter Konkurrenz den zweiten Preis, während Schützenbruder Heinrich Möller den sechsten Preis erringen konnte. Den wackeren Schützen ein kräfti­ges "Gut Schuß"!

 Leider ist nicht ersichtlich, was für ein Schießen das war.

 Einmal im Jahr wurde das Schießen für Schützenschnüre und  Eicheln durch­geführt. Diese Auszeichnungen waren beliebt, erforderten aber eine gewisse Vielseitigkeit. Geschossen wurde mit Kleinkaliber auf  50m in den Anschlags­ar­ten liegend, kniend und stehend.

 Schnüre und Eicheln konnten nur in bestimmter Reihenfolge erworben wer­den: erst die grüne Schnur, dann erste, zweite und dritte grüne Eichel, dann die silberne Schnur mit erster, zweiter und dritter silberner Eichel usw. Die Bedin­gungen änderten sich im Lauf der Zeit. Meistens galt eine bestimmte Minde­st­ringzahl als Qualifikation. Dann wurden je nach Beteiligung an die zwei oder drei Besten Schnüre, bzw. Eicheln verliehen.

 Über diese Schießauszeichnungen informierte sogar regelmäßig die Celle­sche Zeitung in den Berichten über das Hermannsburger Schützenfest mit Namensnennung und Ringzahl.

 Aber auch über das Preisschießen wurde eingehend berichtet. Zum Beispiel werden 1932 in der CZ die 20 besten Schützen des Volkspreisschießens na­mentlich mit Ringzahl genannt. Das liest sich dann so:

 1. Oberfeldwebel Krahlmann aus Munster 55 Ring

 2. Unteroffizier Trebing, Munster 54 Ring

 3. H. Behrens, Dohnsen 53 Ring

 4. Theo Babatz, Hermannsburg 53 Ring

 5. Heinrich Scheller, Hermannsburg 53 Ring

 6. August Meyer, Weesen 53 Ring usw. bis endlich

20. Otto Siekmann, Hermannsburg 48 Ring.

 

 Weiter wörtlich: Herr Major von der Gröben nahm die Verteilung vor. Der erste Preis war ein Ballon- Herrenfahrrad, für den Einsatz von 1,30 Mark errungen, denn der Schütze hat nur einen Satz geschossen. Ein dreifaches Horrido be­kamen die 3 besten Schützen. Der Gewinner des ersten Preises mußte im Saal eine Ehrenrunde fahren. Der Betrieb im Saal war beinahe beängstigend, es war nicht Platz genug, so groß war der Andrang. Unter allgemeine Fröhlich­keit nahm der erste Schützenfesttag sein Ende.

 

 Wer beim Jahresschießen (Schnur und Eichel) oder beim Preisschießen auf die Siegerlisten kommen wollte, der mußte schon schießen können. Beim Kö­nigsschießen aber brauchte der Schütze – damals wie heute – außer dem Können noch das berühmte Quentchen Glück.

 Die Hermannsburger haben die Königswürde von Anfang an ehrlich ausge­schossen und nicht etwa "ausgeguckt", wie das wohl hie und da üblich gewe­sen sein soll. Wer den besten Schuß auf der Scheibe hatte, war König. Es gab einen Probeschuß, der angezeigt wurde.

 Es sollte auch jeder Schützenbruder ohne Rücksicht auf seine finanzielle Lage die Chance haben, ein Jahr lang als König den Verein zu repräsentieren, im Mittelpunkt zu stehen und auch mal "einen auszugeben".

 So wurde schon im Herbst 1924 eine Schützenkönigsversicherung eingeführt. Jedes Mitglied zahlte 3 Mark im Jahr. Dieses Geld sollte für Frühstück und Kinderbelustigung ausgegeben werden. Darüber hinaus bekam der König etwa ab 1929 noch 150 Mark als Handgeld zu seiner persönlichen Verfügung, also sozusagen als Aufwandsentschädigung, die er möglichst "zum Besten der Vereinsmitglieder verwenden soll".

Was darunter zu verstehen war, wurde 1935 präzisiert: Der König stellt das Katerfrühstück und die Getränke beim Anbringen der Königsscheibe an seinem Haus.

 Es gab noch ein Ereignis, bei dem der König im Mittelpunkt stand: das Win­tervergnügen. Das war aber eine vereinsinterne Angelegenheit.

Das erste Wintervergnügen fand im November 1922 bei Schützenbruder Hein­rich Thies im Hotel Heidehof statt. Es begann um 7 Uhr abends. Bis zur Kaffee­tafel um Mitternacht wurde "nach einer aushängenden Tanzordnung" getanzt. Vermutlich waren das Ehren- und Pflichttänze. Anschließend dürfen wir wohl einen lockeren inoffiziellen Teil vermuten.

 Das Wintervergnügen 1925 begann zum Beispiel mit einem gemeinsamen Essen. Es gab Suppe, Schweine- und Kalbsbraten und Kompott für 3,50 Mark! Eine 2- Mann- Kapelle machte Musik, die Kosten teilten sich der Verein und der Wirt, es war wieder Heinrich Thies.

 

 So ist immer wieder vom Geld die Rede. Es wurde schon erwähnt, daß die Schützenfeste auch eine  Einnahmequelle der Vereins waren und deshalb an die meistbietenden Gastwirte verpachtet wurden.

 1930 richtete Heinrich Penzhorn das Fest aus, bezahlte alle Steuern und Ab­gaben und gab den Schützen samt ihren Damen ein Gratisfrühstück. Diesmal bezahlte der Verein die Musik, zog aber die Tanzgelder ein und das Platzgeld für  die Buden und Karussells. Nur die Würstchenbude blieb dem Wirt.

 Im Laufe der Jahre entwickelte sich nämlich auf dem Misselhorner Hof ein richtiger Rummelplatz. In den Zeitungsberichten ist die Rede von Kuchenbude, Spielwarenstand, Kettenkarussell, Eiswagen, "Haut den Lukas", auch mal einer Berg- und Talbahn, einem Pferdekarussell, einer Schießbude.

 Anscheinend waren dann beide Seiten – Wirt und Verein – mit dieser Rege­lung so zufrieden, daß die Schützen im Mai 1931 die nächsten 10 Schützenfe­ste an Heinrich Penzhorn verpachteten! Gegen eine einmalige Zahlung von 1.000,- RM!

 Die Bedingungen waren im Wesentlichen die des Schützenfestes von 1930, das Platzgeld von den Schaustellern bekam jetzt aber der Wirt, dafür trug er die Kosten  für Verpflegung und Übernachtung der Musik. Der Verein verpflich­tete sich, die Mehrkosten zu tragen, wenn die Verlängerung der Polizeistunde 40 Mark übersteigen sollte. Man konnte ja nie wissen ...!

Das Studium der Finanzlage des Vereins in jener Zeit weckt den Verdacht, daß nicht allein die Bequemlichkeit ausschlaggebend war, als man die Schützenfe­ste für 10 Jahre im Voraus vergab. Die 1.000,-  RM wurden dringend ge­braucht!

 Anfang 1929 hatte der Verein über 2.300,- RM Bankschulden. Eine Menge Geld, wenn man bedenkt, daß die Schützenfeste durchschnittlich nur 100 bis 200 Mark Überschuß in die Vereinskasse brachten. Man wollte diese Schuld durch eine Umlage in Höhe von 30 Mark pro Mitglied abdecken. Es müssen demnach 80 bis 100 Mitglieder gewesen sein.

 Diese Schulden resultierten wohl nicht allein aus dem Bau des Schießstandes und dem laufenden Schießbetrieb, sondern auch aus erheblichen Beitrags­rückständen und einer schlechten Zahlungsmoral der Schützenbrüder! Es muß leider gesagt werden: in fast jeder Versammlung wurde Klage geführt über die Rückstände bei den Beiträgen, Königsgeld oder Umlagen. Mal wurde den säumigen Zahlern eine letzte Frist gesetzt, dann wieder eine allerletzte, mal sollten die Gelder durch einen Kassierer abgeholt werden, dem dabei ein "Hebegroschen" zustand. Mal wurde den Restanten mit dem Ausschluß aus dem Verein gedroht, mal durfte der säumige Schützenbruder nicht am Königs­schießen teilnehmen, mal sollte sein Name auf der Generalversammlung be­kanntgemacht werden.

Im Jahre 1931 wurde beispielsweise beschlossen, die rückständigen Beiträge aus 1928 und 1929 (!!) durch Zahlungsbefehl einzutreiben. Es muß schlimm gewesen sein.

 Was die geplante Umlage betrifft, so sollte es jedem Schützenbruder freige­stellt sein, die 30 Mark sofort zu zahlen und dann nur noch einen formalen Bei­trag von 1,- RM pro Jahr oder aber die vollen 11,- RM Beitrag solange weiter­zuzahlen, bis die Bankschulden nebst Zinsen beglichen waren. Das Königsgeld von 3,- RM wurde davon allerdings nicht berührt.

 

 

Die  Schützengesellschaft im Dritten Reich

 

1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland.

Die Auswirkungen der "neuen Zeit" wurden auch bald im Vereinsleben der Schützengesellschaft spürbar.

 Grundsätzlich erfreuten sich alle Vereine, die Sport und körperliche Ertüchti­gung betrieben, des Wohlwollens der braunen Machthaber. Und ganz beson­ders die Schützenvereine, die Wehrhaftigkeit und Heimattreue auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Aber sie mußten sich einordnen und gleichschalten las­sen.

 Die Eigenständigkeit ging nach und nach verloren. Dem Sprachgebrauch der Zeit entsprechend hieß es jetzt in den Protokollen Kamerad statt Schützenbru­der, und der 1. Vorsitzende hieß Vereinsführer.

 Es kamen Befehle "von oben". Die Schützen mußten zur Saarfeier und ande­ren nationalen Gedenktagen antreten. Statt des Preisschießens wurde ein "Opferschießen" zugunsten des WHW (Winterhilfswerk) durchgeführt. Die Preise dafür wurden von den Geschäftsleuten "gestiftet". Eine Anordnung be­sagte: Der Ertrag ist vollständig abzuführen.

 Mindestens 51% der Schießübungen mußten jetzt mit der Wehrmannsbüchse geschossen werden. So wurde aus dem sportlichen Schießen eine vormilitäri­sche Ausbildung.

 Auch hatte der Verein nicht mehr allein das Sagen im Schießstand.  Sicher waren auch früher schon befreundete schießsporttreibende Vereine Gäste auf dem Stand gewesen, aber jetzt wurde Pflichtschießen für die SA und die SS befohlen. Beim WHW- Schießen übernahm die SA die Regie, später eine ei­gene WHW- Ortsgruppe.

 Die Eintrittspreise beim Schützenfest waren jetzt wie folgt unterteilt:

 Herren 1,50 Mark

 Damen 1,- Mark

 Arbeitsdienst, SA, SS, Wehrmacht in Uniform 1,- Mark

 

. 1937 mußte der Verein dem Reichsschützenverband beitreten und alle Schützen als Vollmitglieder melden, die am Schützenschnurschießen teilneh­men. 1939 mußte der Verein auch geschlossen dem Reichsbund für Leibes­übungen beitreten. Die Versammlungen endeten mit dem üblichen Sieg- Heil- Rufen, und beim Schützenfest wurde nach dem Deutschlandlied noch das Horst- Wessel- Lied gesungen.

 Trotz allem: die Schützenfeste waren jetzt wirkliche Volksfeste! Man amü­sierte sich, wo man konnte!

 Nach wie vor begann ein Schützenfest am frühen Nachmittag des Sonntags mit dem Ausmarsch nach Misselhorn. Antreten war vor Völkers Hotel, welches 1934 offiziell zum Vereinslokal bestimmt wurde. Dort sollten in Zukunft alle Versammlungen stattfinden. Die einzelnen Ausschüsse aber hielten ihre Sit­zungen wechselnd in den anderen Gaststätten ab, bei Kuhlmann oder Gebers, in der Bahnhofsgaststätte oder im Hotel Heidehof.

 Wie alte Bilder zeigen, standen die Schützen in Reih und Glied mit den ge­schulterten Holzgewehren, bereit zur Abnahme der Front durch den Ober­schützenmeister und den König.

In Misselhorn fand dann das Volkspreisschießen statt. Ab 1934 war es ein ech­tes Volksschießen, an dem die Schützenbrüder nicht teilnehmen durften. Zu Recht war bemängelt worden, daß die geübten Schützen den Zivilisten die be­sten Preise vor der Nase wegschossen. Diese Trennung zwischen Vereins- und Volkspreisschießen ist seitdem beibehalten worden.

 Die Besucher, jetzt Volksgenossen genannt, amüsierten sich derweilen auf dem Rummelplatz oder beim Tanz im Saal, wo dann auch am Abend die Preisverteilung war.

 Der zweite Tag des Schützenfestes, der Montag, ist seit jeher der Tag der Schützen gewesen. Zum Katerfrühstück beim alten König gab es sauren He­ring und Brötchen, später wohl auch mal Mett und Wurst. So gestärkt zogen die Schützen nach Misselhorn zum Königsschießen und zum Festessen mit Damen und Gästen.

 Der neue König wurde von einer Abordnung des Vereins mit Musik nach Hause gebracht. Das Scheibenannageln wurde zu einem improvisierten Stra­ßenfest für Freunde und Nachbarn. Da feierte wirklich eine große Familie, in der jeder jeden kannte.

 Von dieser Familie ist folgendes überliefert:  Als der ganze Verein einmal bei einem Schützenkönig anrückte, um die Scheibe anzunageln, löste dieses Er­eignis bei dessen Frau nur Schreck und Trauer aus. Sie hatte nämlich kein Ballkleid für die zu erwartenden Festlichkeiten und Tanzvergnügen, bei denen sie mit ihrem Mann im Mittelpunkt stehen sollte. Da nahm Theo Babatz sie mit in seinen Laden, zeigte ihr die Kleiderständer und sagte nur: "Such Dir eins aus!"

In Misselhorn selbst war dann das Preisschießen für die Mitglieder der Schüt­zengesellschaft, Tanz und Stimmung bis in die Nacht. Die Polonäse ging aus dem Saal raus über den Hof, durch die Scheune und  durch die Küche wieder rein. Besonderer Beliebtheit erfreute sich bei den Tänzen "der Bunte".

 Wer nun meint, das sei genug gewesen des Vergnügens, der irrt. Am Sonntag nach dem Schützenfest war Nachfeier! Mit Preisschießen und Tanz in Misselhorn wieder unter großer Beteiligung der Hermannsburger.

 

 Im Programm des Schützenfestes 1937 wird zum ersten Mal die Fliegerhorst­kapelle Faßberg erwähnt. Sie führte den Schützenumzug an, spielte abends zum Tanz auf und konzertierte während des Festessens am Montag. Auch bei der Nachfeier war sie dabei, bestritt also komplett den musikalischen Teil dieses und der folgenden Schützenfeste.

 Die Musiker waren aber nicht die einzigen aus Faßberg. Es kamen auch junge Leutnants von der neuen Luftwaffe in schicker Ausgehuniform und mit weißen  Glace- Handschuhen, die sie auch beim Tanzen anbehielten! Es dauerte nicht lange, da stieg die Nachfrage nach weißen Glace- Handschuhen im Laden von Hut- Peters stark an. Und die Käufer waren jüngere Schützenbrüder!

 

Über die letzten Schützenfeste vor dem Krieg berichteten ganz besonders ausführlich und geradezu begeistert zwei Blätter: die Heiderundschau, eine Sonnabendsbeilage der Celleschen Zeitung für den nördlichen Landkreis und Der Bote aus dem ehemaligen Amte Bergen, vereinigt mit Hermannsburger Zeitung, die in Bergen erschien.

 Nicht nur über die Schützenfeste berichteten diese Zeitungen, sondern auch über Vereinsversammlungen, Preisschießen usw.

Im Jahre 1938  wurde zum ersten Mal ein Kinderschützenfest veranstaltet und dazu der Sonnabend mit in das Programm genommen. Der Verein bildete ei­nen Ausschuß für die Kinderbelustigung, der sich allerhand einfallen ließ, um Jungen und Mädchen bis zum 14. Lebensjahr zu beschäftigen.

 Die Jungen hatten blumengeschmückte Holzgewehre und die Mädchen Blu­menbogen, als sie sich vor Völkers Hotel versammelten, um von der Flieger­horstkapelle Faßberg nach Misselhorn geführt zu werden. Während die größe­ren Jungen auf dem KK- Stand einen Kinderschützenkönig ausschossen, machten die Mädchen Ballwerfen, Eierlaufen, Sackhüpfen und andere Spiele. Peter Hiestermann war der erste Kinderkönig. Im Kaffeehaus war Kindertanz und Preisverteilung, wobei jedes Kind etwas bekam. Mit einem Lampion- und Fackelzug ging es beim Dunkelwerden wieder zurück ins Dorf.

 

 1939 wurde in Hermannsburg das letzte Schützenfest gefeiert. Mit Beginn des Krieges lichteten sich die Reihen der Schützenbrüder durch Einberufung zum Wehrdienst.

Das Vereinsleben schlief langsam ein.

 Das letzte Protokoll einer Schützenversammlung ist vom 23. Juni 1940.

 Ober­schützenmeister Major a.D. von der Gröben wies in einer Ansprache auf die geschichtlich große Zeit hin, in der man lebte, und die Schützen erhoben sich zur Gefallenenehrung.

Es wurde noch beschlossen, am 21. Juli 1940 einen "Kriegskönig" auszu­schießen. Es ist unklar, ob es dazu noch gekommen ist.

 Die Folgeseite ist aus dem dicken Protokollbuch herausgerissen worden.

 Das nächste Protokoll datiert vom 23. Juli 1949 und ist überschrieben:

 

Nach einer Pause von 8 Jahren

 

 

Neubeginn nach dem Kriege

 

Das erste Protokoll nach dem Kriege ist überschrieben: "Nach einer Pause von 8 Jahren." Wir erinnern uns der letzten herausgerissenen Seite aus dem Pro­tokollbuch. Es muß also 1941 zumindest noch eine Versammlung stattgefun­den haben.

 Am 23. Juli 1949 trafen sich im Gasthaus Hermann Thies 27 Schützenbrüder zur ersten Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn von der Gröben. Noch vor der eigentlichen Tagesordnung gab es eine Abstimmung über die Frage, ob der Verein in der alten Form weiterbestehen und auch in der alten Form weitergeführt werden sollte.

 Viele Vereine, die nach dem Kriege wieder auferstanden, mußten wohl erst­mal weltanschaulichen Ballast über Bord werfen und vielleicht auch die Füh­rung entnazifizieren. Die Hermannsburger  Schützen sahen weder in der einen noch in der anderen Richtung da Handlungsbedarf und beschlossen, unverän­dert weiterzumachen, wo der Krieg dem Vereinsleben ein Ende bereitet hatte.

Es wurden auch schon gleich 4 neue Mitglieder aufgenommen und dann ein Festausschuß eingesetzt, der mit einer Frist von nur 8 Tagen das erste Nach­kriegs- Schützenfest organisieren sollte. Der Ausdruck Schützenfest ist maßlos übertrieben für diese Veranstaltung, die auf einen halben Tag beschränkt war.

 Die britische Militärregierung hatte zwar im Frühjahr 1949 das generelle Ver­einsverbot aufgehoben, es bestanden aber noch das Waffenverbot und das Verbot jeglicher Umzüge in Uniform, mit Fahne und Musik. In Einzel­fällen ge­nehmigte die Militärregierung Schützenfeste und auch das Ausschie­ßen von Königen. Das mußte allerdings mit einer Armbrust oder mit einer Luft­büchse an einer Schießbude auf dem Festplatz geschehen. Tatsächlich hatten die Schau­steller schon früh Genehmigungen für das Blumenschießen bekom­men. So war es auch in Hermannsburg.

 Im Programm für Sonntag, den 31.7.1949 hieß es:

Kein Ausmarsch, Beginn 14 Uhr für Schützen, ab 16 Uhr öffentlicher Tanz in Misselhorn. Trotz aller Einschränkungen muß dieses "Schützenfest" gut be­sucht und einträglich gewesen sein. Die Vereinskasse strich einen Über­schuß von 650,- DM ein.  Der erste Schützenkönig nach dem Neubeginn war Edwin Deutgen. Das "Königsschießen" war schon im Gange ... an der Schießbude von Wil­helm Wiesehomeier mit einem alten Luftgewehr auf kleine Jahrmarktscheiben,  als man ihn fragte : "Willst Du nicht mitschießen ? Dann mußt Du aber noch schnell in den Verein eintreten !"

Gesagt – getan ... und 5 Minuten später war er der Schützenkönig ! Nun, diese Königswürde war wenigstens mit einem Gewehr, wenn auch auf etwas aben­teuerliche Weise ausgeschossen worden. Andere Vereine ermittelten in jener Zeit ihre Könige durch Auskegeln oder Vogelwerfen !

 Edwin Deutgen benahm sich am Ende seiner Regierungszeit wenig königlich.  Auf dem Marsch zum  Schützenplatz riß er aus einem Vorgarten einen Rha­barberstengel ab und schwenkte ihn übermütig. Da nannten ihn die Kinder "Rhabarberkönig" und tanzten solange um ihn herum: "das kostet aber eine Runde !" – bis ihm der Ulk zuviel wurde und er sich freikaufte mit einer Runde Negerküsse am Süßwarenstand von Frau Wiesehomeier.

 Rhabarberkönig war aber nicht sein offizieller Name.

 In Hermannsburg erhal­ten alle Schützenkönige ihren Namen, mit dem sie in die Vereinsgeschichte eingehen, erst am Ende ihrer Regierungszeit. Wie diese Tradition entstanden ist, ist unklar. Vielleicht wollte man erst sehen, wie ein König herrscht, wo seine Stärken und seine Schwächen sind.

Edwin Deutgen wurde "das offene Auge" getauft. Er war nämlich Fotografen­meister. Er sah alles und hielt alles im Bild fest. Er war sozusagen der Hof- Fo­tograf der Schützengesellschaft.

Das letzte Schützenfest in Misselhorn war 1950. Es war auch sonst ein be­deutsames Jahr.

 Im Februar legte Major von der Gröben aus Altersgründen sein Amt als Vorsit­zender nieder. Der Verein verabschiedete ihn mit dem Titel Ehren- Oberschüt­zenmeister und wählte Bruno Hermsdorf zum neuen Vorsit­zenden. Die Gast­stätte Gebers wurde Vereinslokal ... und die SG bereitete ih­ren Umzug nach Hermannsburg vor. Siehe das Kapitel: Der Bau des Schüt­zenhauses.

Vom Schützenfest 1950 blieb für die Vereinskasse allerdings nicht viel übrig. Laut Protokoll waren es nur 43,50  DM. Eigentlich auch kein Wun­der, wenn man eine 10 Mann starke Kapelle für 3 Tage verpflichtet und dafür schon 1.000,- DM bezahlt !  Einige Schützenbrüder behaupten, es sei am Es­sen gespart worden. Die Fleischportionen seien schon beim Servieren immer kleiner geworden und dann ganz weggefallen, sodaß die letzten Tische zur Schlachterei Gebers schickten, 15 Kilo Thüringer Mett holten und sich selbst versorgen ! Dieses knappe finanzielle Ergebnis veranlaßte dann auch den Festwirt 1951 (Gebers ), die Bewirtschaftung nur dann zu übernehmen, wenn der Verein bei einem eventuellen Defizit eine "Selbstbeteiligung" von 300,- DM tragen würde. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als überflüssig: es war ein tolles Schüt­zenfest, es wurde als das beste bisher bezeichnet und er­brachte einen Über­schuß von 500,- DM.

 Es war das erste Schüt­zenfest in­ner­halb der Gemeinde Hermanns­burg, aller­dings noch nicht auf dem dafür vorge­sehe­nen Platz, son­dern in der Scheune des Sägewerks Meyerhoff " auf dem Maschinenberg", wie die Hermannsburger sagten, und in einem großen Fest­zelt.

 Ab 1952 fanden dann alle Feste auf dem Schützenplatz statt und hatten im Lauf der Zeit ein Standardprogramm sozusa­gen entwickelt. 1952 fand das Schützenfest auch erstmals am ersten Sonntag im August statt. In früheren Jahren wurde der Termin jährlich neu festgelegt, war mal im Juni, mal im Juli, oft auch zu Pfingsten. Auf der Generalversammlung 1955 wurde dann der Be­schluß gefaßt, das Schützenfest ein für allemal am ersten Sonntag im August zu feiern (und das Wintervergnügen am ersten Sonnabend im Februar).

 Das 1938 zum ersten Mal in das Programm aufgenommene Kin­derschützen­fest behauptete seinen Platz am Sonnabend des Festverlaufs. Nach wie vor gab es einen Ausschuß für die "Kinderbelustigung", und der hatte sogar einen Etat für Lose, Würstchen und Freifahrten auf dem Karussell.

Die Kleinsten hatten schon Wochen vor dem Fest mit ihrer Kindergärtnerin Tante Christel Arnolds farbige Kränze, Mützen aus grünem Kreppapier und Holzge­wehre gebastelt, sodaß eine bunte ausgelassene Schar auf dem Schüt­zenplatz ein­traf. Da hatten dann "Onkel Karl" (Rosenbrock) und "Onkel Her­mann" (Ehlers) ihre liebe Not, das lustige Treiben zu lenken – trotz jahrelanger Erfahrung in diesem Metier. Es dauerte dann auch nicht lange, daß der Verein Tante Christel offiziell bat, "an der Verschö­nerung des Sonnabends" mitzuwir­ken.  Das tat sie dann auch und brachte neue Ideen mit .... und auch eine ge­wisse Autorität.

 Im Jahre 1952 trat der Schützenverein dann auch in den Dienst des Fremden­verkehrs ! Ein langer Schützenzug marschierte mit Musik zum Bahnhof, wo 140 Gäste aus dem Ruhrgebiet mit einem Sonderzug der OHE  (Osthannoversche Eisenbahn) eintrafen. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins (und Schützen­bru­der) Herbert Menzel und der Gemeindedirektor (und zweiter Vorsitzender der SG) Hermann Springhorn begrüßten die Gäste, die ob dieses unerwarte­ten Empfangs begeistert waren und dann natürlich kräftig mitfeier­ten. Diese originelle Art des Empfangs am Urlaubsort ist noch oft praktiziert wor­den, wenn gerade zur Schützenfestzeit Sonderzüge ankamen. 1953 wurden auf diese Weise wieder 100 Gäste willkommen geheißen, 1955 sogar 400 Gä­ste aus Berlin, Hamburg und Nordrhein- Westfalen.

 Das Marschieren spielte bei jedem Schützenfest eine große Rolle. Die Aus­märsche der Schützen nach Misselhorn in der Vorkriegszeit hatten ja immer etwas Militärisches an sich ge­habt. Daraus waren jetzt richtige Festumzüge geworden, begleitet von Beifall und launigen Zurufen aus der Zuschauermen­ge. Man marschierte am Sonntag nicht mehr auf kürzestem Wege zum Schützen­platz, sondern durch die Haupt­straßen in der Ortsmitte: Junkernstraße, Celler Straße, Billingstraße, ehe der Zug in die schnurgerade, fast 1 km lange Lothar­straße Richtung Festplatz ein­bog. Einige Jahre lang zog man auch durch den Gerichtsweg, obwohl es da über ein Privatgrundstück ging und über einen baufälligen hölzernen Steg, der eines Tages angeblich den Gleichschritt von Kolonnen nicht mehr aushielt.

Diese Streckenführung war wohl als Ehrung für mehrere Schützenbrüder ge­dacht, die dort im "Wurstwinkel" wohnten und ihre Häuser besonders schön geschmückt hatten. Ansonsten hatten die Schützen an der Ortsschmückung, von Ausnahmen abgesehen, immer was zu meckern. Also nahmen sie die Sa­che selbst in die Hand. Die Jungschützen verteilten Birkengrün in den Straßen und befestigten grün- weiße Fähnchen an den Zäunen.

Für die Ausschmüc­kung seiner Residenz allerdings sorgte der König selbst. So wurde auch das Kränzebinden zu einer Tradition. Bewaffnet mit Gartensche­ren, Blumendraht und "Kälberstricken" trafen sich Tage vor dem Schützenfest viele Leute beim König.  Schützen, Nachbarn und Freunde, die noch Girlanden aus Tannengrün binden konnten und Leute, die diesen inoffziellen Eröffnungs­abend des Schützenfestes nur der Geselligkeit und des Umtrunks wegen be­suchten. Zu den Ausnahmen bei der Ortsschmückung gehörte die Junkernstraße, die schon 1955 im Schützenfestbericht der Celleschen Zeitung erwähnt wurde:  "Alle 10 Meter ein grün- weiß dekorierter Kübel mit Birken und Blumen !" Dort wohnten sehr viele Schützen, die übrigens auch schießen konn­ten. Als in spä­teren Jahren fast Haus bei Haus Königsscheiben hingen, hieß diese Straße nur noch Königsallee. Und eines Tages prangte dieser Na­me auch auf Original- Straßenschildern, die die offiziellen Schilder verdeckten, allerdings nur für die Dauer des Schützenfestes ! Spaß und Humor wurden überhaupt immer groß geschrieben beim Schützen­fest. Es gibt Dutzende von "Dönekens", von lustigen Geschichten also.

 1959 wurde zum ersten Mal eine Katerfigur im Umzug mitgetragen. Die sollte ein Symbol sein für das Kater­frühstück beim abtretenden König.

 1962 hatte Heinz Gebers für den Marsch vom Katerfrühstück zum Königs­schießen 2 Maulesel besorgt und diese für gehbehinderte Leute zur Verfügung gestellt. Als solche bestiegen Hermann Ehlers und Frederik von Bothmer die Tiere, wurden prompt von der Polizei an­gehalten, konnten aber zum Glück Führerscheine vorweisen, die sie zur Benut­zung "langohriger Vierbeiner mit Hafermotor" berechtigten ! Im nächsten Jahr bediente sich dann König Wilhelm Ripke bei seinem Ritt auf einem Maulesel der Hilfe des Tierarztes Dr. Niebuhr. Der bekam dann den urkundlich bestätig­ten Titel eines "Diplom- Mauleselfüh­rers".

 Was nun die Uniformierung betrifftpardon: das Wort Uniform war ver­pönt, es klang militaristisch. Man sagte Schützenkleidung. Was also die Schüt­zenklei­dung betrifft, so hatten sich nach und nach für die Festumzüge in Her­manns­burg und auch außerhalb bei den Schützenfesten befreundeter Vereine die weißen Hosen durchgesetzt. "Dei witte Böx" war das Markenzeichen der Schüt­zengesellschaft geworden.

Gelegentliche Fehldeutungen kamen vor. Da stand die Familie des Malermei­sters A. am Straßenrand und wartete auf den Festumzug. "Guck` mal, da kommt der Papa ! Wink` mal !" sagte die Mutter zu dem vielleicht fünf Jahre alten Söhnchen. Der Knirps sieht den Vater vorbeimarschie­ren, sieht den Vor­der­mann, den Hintermann, die ganze lange Reihe der Schützen entlang und fragt:" Mutti, sind das alles Maler ?"

 1967 wurde lobend erwähnt, daß alle Mann in weißen Hosen angetreten wa­ren bis auf einen, und das war ausgerechnet Heinrich Surborg. Beim Kater­frühstück mußte er vor versammelter Mannschaft die schwarze Hose auszie­hen und bekam eine weiße gespendet. Die war natürlich oben zu eng und un­ten zu lang. Trotzdem hat er das Spießrutenlaufen bis zum Schützenplatz überstanden.

Wenn man die Zeitungsberichte über Schützen­feste vor und nach dem Krie­ge miteinander vergleicht, so fällt auf, daß das Geschehen um den König und die geselli­gen Veranstal­tungen immer mehr Interesse finden als die Schießergeb­nisse bei­spielsweise. Der Zeitungsbericht aus den 30er Jahren, in dem die 20 besten Schützen des Preisschießens namentlich genannt sind, das Ergebnis des Kö­nigsschießens aber mit 2 Zeilen abgetan wird, ist kein Einzel­fall. Nach dem Kriege ist von Schützenschnüren und Eicheln keine Rede mehr, statt des­sen nimmt die Berichterstattung über "Würdenträger" immer mehr Raum ein. Und Würdenträger gab es immer mehr ! Zum einen bei den Schützen selbst. Zu dem König mit seinen beiden Adjutanten kam 1951 der Kinderkönig, eben­falls mit 2 Adjutanten dazu. 1955 dann der Jugendkönig mit 2 Adjutanten, 1960 ne­ben dem Gewinner der Ehrenscheibe noch der des Kirks- Pokals. Das war ein von dem Eisenwarengeschäft Kirks gestifteter Wanderpokal, den jeweils der Schütze erhielt, der den zweitbesten Schuß auf die Ehrenscheibe abgege­ben hatte. Als dessen Nachfolger dann einige Jahre lang noch der Gewinner der Thieder Kette, einer von dem befreundeten Schützenverein Salzgitter- Thiede gestifteten Kette. Ab 1962 kam dann noch die Damenbeste mit zwei "Hofdamen" dazu, und ab 1985 noch der Kaiserpokal- Gewinner.

Es standen also immer mehr Personen auf der Bühne und bekamen Orden, Pokale und Blumen und wollten genannt sein. Und es saßen immer mehr  Eh­rengäste an der Festtafel, die in Grußworten oder durch ihr bloßes Dasein die Verbundenheit der Schüt­zen  mit der Gemeinde, den Schulen, den Kirchen, den örtlichen Vereinen, den Jägern, der Polizei usw. bekundetenund viel­leicht auch genannt werden woll­ten.

 Ende der 50er Jahre finden sich in den Versammlungsprotokollen recht häufig tadelnde Hinweise auf eine gewisse Vereinsmüdigkeit. Die Schützen kamen nicht mehr in gewohnter Zahl zu den Versammlungen, auch die Beteiligung an den Ausmärschen und Umzügen beim Schützenfest ließ merklich nach.

 Als alle Appelle nichts halfen, beschloß der Vorstand einen kombinierten An­griff auf Geldbeutel und Ehrgefühl der Schützen. Wer ohne Entschuldigung die Ausmärsche am Sonntag und am Montag nicht mitmachte, sollte 5,- DM Strafe pro Marsch bezahlen. Wer am Montag nicht dabei war, durfte außerdem nicht auf die Königsscheibe schießen und mußte eine Tanzkarte kaufen. Es ist an­zunehmen, daß diese Androhung Erfolg hatte.

 Eine andere Anordnung aus jener Zeit aber wirkt noch bis heute fort.

 Es war damals in Hermannsburg genau so wie wohl in allen Schützenvereinen üblich, bei Festen reichlich Bier und Korn zu trinken. So auch am Schützen­festmontag beim Katerfrühstück und dann in der Warteschlange beim Königs­schießen. So hatten manche wackeren Schützen beim Schießen schon eine unsichere Hand, und beim Festessen im Zelt beschwerten sich die Frauen über den Zustand ihrer Männer.

 Da verbot der Vorsitzende Dr. Hermann Brammer das Korntrinken beim Kater­frühstück. Als deswegen aber eine Revolution auszubrechen drohte, einigte man sich auf ein einziges Glas Korn. Beim nächsten Katerfrühstück tauchten plötzlich übergroße Gläser auf, die gut und gerne das Dreifache eines norma­len Schnapsglases faßten ! Diese großzügige Auslegung des einen genehmig­ten Gläschens hielt aber den ständigen Ermahnungen Dr. Brammers nicht lange stand. Noch heute gibt es vor dem Königsschießen bestenfalls einen Korn. Auch bei Versammlungen darf, bevor die Tagesordnung nicht abgewic­kelt und der offizielle Teil geschlossen ist, höchstens der König eine Runde ausgeben. Auswärtige Schützenfestbesucher bestätigen denn auch, daß sich eine gewisse Zurückhaltung im Umgang mit Alkohol wohltuend auf den Fest­verlauf auswirkt. Man sieht in Hermannsburg wenig Betrunkene oder Schläge­reien.  Der Festumzug am Sonntag wurde im Laufe der Zeit immer größer. In zuneh­mendem Maße nutzten auch andere einheimische Vereine die Gelegenheit, sich darzustellen und "Flagge zu zeigen". Schon 1952 führten Reiter vom Reit­verein Hermannsburg unter ihrem Vorsitzenden Henze den Zug an. Später nahmen auch Fahnenabordnungen des Kyffhäuser- Verbandes, des Männer­gesangvereins und des Sportvereins teil.

 Die Schützengesellschaft verpflichtete für die Dauer des Festes Blaskapellen von außerhalb, die nicht nur Marschmusik machten, sondern auch abends zum Tanz aufspielten. 1956 marschierte zum ersten Mal der Spielmannszug Ever­sen an der Spitze. Seit der Zeit ist kein Schützenfest in Hermannsburg ohne diese Spielleute denkbar. Nach und nach kamen dann auch die Nachbarverei­ne aus dem Mahdheidering nach Hermannsburg. Einige brachten ihre Spiel­manns- oder Fanfarenzüge mit, befreundete Kapellen wurden verpflichtetbis das farbenprächtige Bild komplett war, das wir heute sehen, wenn alle Teil­nehmer des Umzuges in einem großen Karree beim Rathaus antreten und der Hermannsburger Schützenkönig ganz schön laufen muß, wenn er die Front ab­schreitet.

 Es würde nun zu weit führen, alle Schützenfeste aufzulisten. Jedes hatte seine Höhepunkte. Meistens herrschte das schönste Sommerwetter, sodaß man schon vom Hermannsburger  Schützenfestwetter sprach. Es gab einige Feste, die einen besonderen Charakter hatten.

1971 stand im Zeichen des 50jährigen Jubiläums der SG. Da wurde auch die neue Fahne geweiht. Die Gemeinde hatte ihren Sitzungssaal zur Verfügung gestellt, der die vielen Ehrengäste kaum fassen konnte: Landrat und Ober­kreisdirektor, die Spitzen des Kreisschützenverbandes, Vertreter der Gemein­de, der Schulen und aller einheimischen Vereine. Auf dem Platz vor dem Rat­haus weihte Dr. Wilkens- Sannemann, der Vorsitzende des Kreisschützenver­bandes Celle Stadt und Land, die neue Fahne, die außer dem Schützensymbol nun auch das Hermannsburger Gemeindewappen trug. Anschließend fand im Zelt auf dem Schützenplatz ein Festkommers statt, mit vielen schönen Reden.

 Diese Einrichtung eines Festkommerses am Abend vor dem eigentlichen Schützenfest ist seitdem beibehalten worden als vereinsinterne Veranstaltung. An diesem Abend werden jetzt auch alle Schießauszeichnungen verliehen, Schützenschnüre und Eicheln, Plaketten und Leistungsnadeln – eine Prozedur, die früher oft den Zeitplan des Schützenfestes durcheinandergebracht hatte.

 

Das Schützenfest 1973 stand unter dem Motto: 1000 Jahre Hermannsburg und hatte durch die Beteiligung vieler einheimischer Vereine, befreundeter Schüt­zen von auswärts und farbenprächtiger Kapellen und Spielmannszüge einen be­sonders schönen Festumzug.

 1977 filmte ein Team des ZDF Teile des Festumzuges für eine Sendung mit dem Titel: Hermann Löns `77. Die Hermannsburger Schützen zum ersten Mal im Fernsehen !

 1990 kamen sie nochmal ins Fernsehen ! Da filmte ein Team der Deutschen Welle Szenen vom Hermannsburger Schützenfest. Die Deutsche Welle strahlt unter dem Titel "Schauplatz Deutschland" Programme aus den verschiedenen Regionen aus, vorwiegend in die USA und die ehemalige UdSSR. In diesen Beiträgen wird von den Menschen, ihrer Arbeit, ihren Festen usw. berichtet. Das Programm des Schützenfestes 1981 hatte zwei Überschriften:

 

 Schützen- und Volksfest und

 La Fete des Tireurs a la Cible en Hermanns­bourg

und zeigte neben dem Her­mannsburger Gemeindewappen das der klei­nen Stadt Auterive in Südfrank­reich, mit der seit Jahren eine Partnerschaft be­stand. Es kamen also etwa 50 Franzosen von der Union musicale Auterivaine und nochmal soviel junge Mäd­chen im Alter von 7 bis 16 Jahren von den Ma­jorettes d `Auterive, die das  Schützenfest nicht nur mitfeiern, sondern auch mitgestalten wollten !

Schon am Sonnabend zum Kinderausmarsch setzten sich die Majoretten mit ih­ren grün- silbernen Tanzkleidern an die Spitze des Zuges. Und sie zeigten mal ihre Art zu marschieren, ihre gut einstudierten und auf Pfiffe ausgeführten Schritte, das Schwenken der Beine und der weißen Stöckchen. So bot dieser Kinderausmarsch – ebenso wie der Lampionumzug am Abend – ein ganz an­deres Bild als sonst: tänzerisch, farbenprächtig und musikalisch ein Genuß. Selbst die Spielleute aus Eversen, die seit 25 Jahren vorneweg marschiert wa­ren, staunten nicht schlecht, wie die kleinen Mädchen aus Auterive sogar deut­sche Marschmusik in tänzerische Bewegungen umsetzen konnten und die preußische Exaktheit milderten mit ihren zierlichen, beinahe gymnastischen Schrittenund dabei natürlich kaum vom Fleck kamen !

Beim Festumzug am Sonntag präsentierten sich die Majoretten dann in blau- weiß, auf dem Kopf einen blauen Tschako mit Tressen und Federn. Der ein­zige, der nicht dazu lachte, war Petrus. Er öffnete die Schleusen des Himmels und brachte den französischen Gästen auf den letzten 100 Metern zum Fest­platz dann doch noch den Geschwindmarsch bei !

Seit jenen Tagen hängt übrigens auch an einem Haus in Auterive eine echte handgemalte Königsscheibe. Die französischen Gäste, die zuhause nur ein Armbrustschießen kennen, hatten unter fachkundiger Anleitung hier nach Her­mannsburger Reglement einen Schützenkönig ausgeschossen.

 

Der Bau des Schützenhauses

 

Im Februar 1950 wurden zum ersten Mal Überlegungen angestellt, innerhalb der Gemeinde Hermannsburg einen Schießstand oder eine Festhalle – oder sogar beides – zu bauen, "um die Steuergelder im Ort zu belassen". Alle Vor­stände daran interessierter Vereine sollten zusammengerufen werden, um ge­meinsam mit der Gemeindeverwaltung diese  Frage zu erörtern.

 Da sich die Sache aber wohl in die Länge zog, beschloß die Schützengesell­schaft, das Schützenfest 1950 nochmal in Misselhorn zu feiern.

 Bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück in Hermannsburg wurde darauf geachtet, daß andere in der Gemeinde stattfindende Veranstaltungen zur gleichen Zeit ablaufen könnten, ohne sich gegenseitig zu stören. In erster Linie war hierbei wohl an das Missionsfest gedacht, so erinnert sich Carl Behn, der damals Ratsherr war.

 Schließlich fand man ein solches Grundstück an der Lotharstraße etwa ge­genüber dem Sportplatz auf dem "Maschinenberg" , genau gesagt: Parzelle 16 der Flur 5 der Gemarkung Hermannsburg. Das Grundstück war 13 Morgen groß und kostete 12.000,-  DM.

Eine außerordentliche Versammlung der Schützen beschloß im Oktober 1950, der Gemeinde ein zinsloses Darlehen in Höhe von 3000,- DM zum Ankauf die­ses Grundstückes zu geben. Es wurde ein Vertrag geschlossen, der dem Schützenverein das Recht einräumte, auf diesem Platz alljährlich sein Schüt­zenfest abzuhalten und auch Schießstände zu errichten.

 Pacht- oder Mietzahlungen wurden nicht vereinbart. Allerdings behielt sich die Gemeinde vor, von den Schaustellern und Fahrgeschäften beim Schützenfest Standgelder zu kassieren. Der Schützenverein verpflichtete sich, bereits 1951 auf diesem Platz das Fest zu veranstalten.

 Diese Frist war aber nun zu knapp berechnet. Die Schützen haben sicher die Ärmel aufgekrempelt und rangehauen. Eine Kommission, der unter anderen Architekt Carl Behn, Wilhelm Völker, Gemeindedirektor Hermann Springhorn, Heinrich Surborg und Otto Völker angehörten, überwachte die Arbeiten.

Jeder Schützenbruder war verpflichtet, ein Tagewerk abzuleisten. Wer nicht arbeiten konnte, mußte als Gegenwert 8,- DM zahlen. Trotzdem wurde der Platz nicht rechtzeitig fertig.

 Das Schützenfest 1951 fand dann in der Scheune des Sägewerks Meyerhoff  und in einem großen Festzelt statt. Aber auch in dieser improvisierten Form muß das erste Schützenfest innerhalb der Gemeinde Hermannsburg ein großer Erfolg gewesen sein. Es wird in dem Protokoll der nächsten Versammlung als das beste bisher bezeichnet. Der Festausschuß erntete Beifall und Dank, der Verein fast 500,- DM Überschuß !

Das ganze Projekt war in Bauabschnitte eingeteilt, von denen der erste schon im Januar 1952 abgeschlossen war. Das waren die Schießstände, die Ge­schoßbahnen und die Anzeigerdeckungen.

 Für den 2. Bauabschnitt wurden die Schützenbrüder wieder zur Ableistung von zwei Tagewerken verpflichtet.

 Man hatte ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, das alte  Schießhaus in Misselhorn abzureißen und auf dem neuen Platz wieder aufzustellen. Architekt Behn hatte dazu Berechnungen angestellt. Die Sache sollte nicht mehr als 1000,- DM kosten, während der Neubau eines Hauses in ähnlicher Größe ( das waren etwa 50 qm  Grundfläche)  4.500,- DM kosten würde.

Eine Schützenversammlung beschloß aber, das Haus in Misselhorn stehen zu lassen, " falls Penzhorn 1.000,- DM in Holz gibt und Kies und Bausand kosten­los zur Verfügung stellt." So nimmt es denn nicht wunder, wenn der Schatz­meister der SG in einer vorläufigen Abrechnung im August 1952 schon 9.200,- DM an Baukosten bekanntgeben muß. Da war aber das Haus im Wesentlichen fertig. Es hatte schon 6 Stände in der 50 m- Bahn für Kleinkaliberschießen und Luftgewehrstände.

 Es haben viele fleißige Hände am Schützenhaus gearbeitet, deren Verdienst nicht geschmälert werden soll. Trotzdem müssen wir den Maurer Otto Völker und den Zimmermann Albert Fabritz erwähnen, die meistens nach ihrer Tages­arbeit und an den Sonntagen dort gearbeitet haben. Durch Otto Völkers Hände ist wohl jeder einzelne Stein des Hauses gegangen ! Das waren zum großen Teil Abbruchsteine aus der Marinesiedlung in Eschede. Die mußten erstmal saubergeklopft werden, und daran waren sogar Schützenfrauen betei­ligt.

Man entwickelte ein Gespür dafür, wo irgendwas an Baumaterial billig oder umsonst zu kriegen war, zum Beispiel Holz von Penshorn oder Meyerhoff ... und sogar eine Eisenbahnschiene von der OHE, die als Träger mit eingebaut wurde !

Geradezu begeistert klingen die Worte eines Berichterstatters in der Celle­schen Zeitung, der im August 1952 vom ersten Schützenfest auf dem neuen Platz schreibt:

" Versteckt hinter hohen Fuhren breitet sich der idyllisch gelegene und herrlich ausgestaltete Schützenplatz aus, der in diesem Jahr auf gemeindeeigenen Gelände geschaffen wurde und damit dem schön gelegenen und geistig aufge­schlossenen Heidedorf einen Festplatz gibt, auf dem in Zukunft auch einmal ein Zirkus oder ein Wandertheater absteigen kann.

Schön schmiegt sich das kleine Schützenhaus in das von Fuhren eingesäumte Gelände ein. Für die Karussells, Verkaufsbuden und Schießstände sind einzel­ne Baumkulissen ausgeschnitten worden, sodaß sich diese auf dem extra paßgerecht zugeschnittenen Platz sinnvoll in das Gesamtbild einfügen."

Weiter heißt es in dem erwähnten Bericht: "Gemeindedirektor Springhorn stattete als 2. Vorsitzender der Schützengesellschaft all denjenigen Dank ab, die an diesem Gemeinschaftswerk mitgearbeitet  haben. Hiermit sei aber die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Es sei noch viel zu bewältigen, sagte er." Das stimmte !

Seit jener Zeit ist am Schützenhaus fast immer gearbeitet worden, es wurde erweitert und verbessert. Immer gab es wieder Arbeitseinsätze...und manch­mal sogar Beitragfreiheit für die besonders Fleißigen.

 Im Januar 1954 wurde das Schützenhaus an das Stromnetz angeschlossen, im  August 1956 bekam endlich der rohe Zementfußboden einen Belag. Die Möblierung war zu jener Zeit aber noch sehr dürftig.

 

 Anfang 1957 interessierten sich die Jäger für den Schießstand. Die Kreis­gruppe Celle des Landesjagdverbandes wollte in Hermannsburg das jagdliche Schießen mit großkalibrigen Waffen auf 100m- Bahnen und auf den "laufenden Keiler" durchführen.

 Eigentlich hatten die Jäger schon seit langem Ausschau gehalten nach einem eigenen Schießstand und auch dafür Geld angespart. Die Frage: selber bauen oder sich am Hermannsburger Schießstand beteiligen , sollte auf einer Gene­ralversammlung der Kreisgruppe in Westercelle entschieden werden. Da mo­bilisierte der Leiter des Hegerings Hermannsburg- Müden, Frederik Thorwald von Bothmer seine "Hausmacht", zu der auch eine Reihe Schützen gehörten, mietete einen Bus und rollte mit soviel Sympathisanten an, daß die Wahl auf Hermannsburg fiel.

 Die bestehenden Anlagen mußten nun erweitert werden. Die KK- Geschoß­bahnen mußten für den laufenden Keiler auf 60m verlängert werden, und es mußten elektrische Scheibenvorholer eingebaut werden.

 Die 100m- Bahnen wurden neben den KK- Ständen gebaut. Da diese Bahnen aber eine Verbindung zum Schützenhaus haben mußten, beschlossen die Schützen, das Haus zu verlängern und bei dieser Gelegenheit auch einen Kel­ler einzubauen. Die Kosten wurden auf 7.000,- DM geschätzt, stiegen dann aber doch auf über 10.000,- DM, obwohl unter Leitung von Heinrich Surborg auch in diesem Bauabschnitt wieder viel Eigenleistung steckte.

 Zum Schützenfest 1957 war alles fertig. Der alte Nutzungsvertrag von 1950 wurde insoweit geändert, als jetzt eine Interessengemeinschaft aus Schützen­gesellschaft und Landesjagdverband der Vertragspartner der Gemeinde Her­mannsburg wurde.

 Für die Nutzung der erweiterten Schießstände und des Schützenhauses galten Jäger und Schützen als gleichberechtigt. Dabei wurde allerdings gleich festge­legt, daß immer am ersten Sonntag im August der ganze Komplex dem Schützenverein für das Schützenfest allein zur Verfügung steht.

 Was die Unterhaltung und die Reparaturen betraf, so einigte man sich wie folgt: für die Schießanlagen waren die Jäger verantwortlich, für das Haus die Schützen.

 Der Vertrag hatte eine Laufzeit von 75 Jahren und bildete die Grundlage für  eine "glückliche Ehe" zwischen den Jägern und den Schützen. Es verging seit­dem kein Schützenfest, auf dem nicht in Grußworten und Festreden auf diese Ehe angespielt wurde. Es gab kein Katerfrühstück, bei dem nicht der Hege­ringsleiter und spätere Kreisjägermeister von Bothmer die Zielscheibe von launigen Ansprachen und Witzen war.

 Natürlich gab es auch in dieser Ehe mal Mißstimmungen und Kompetenzge­rangel, vor allem, wenn es ans Bezahlen ging. Wenn  zum Beispiel mal wieder das Zugseil eines Scheibenvorholers durchgeschossen war, und der  Schieß­meister der SG meinte, daß sowas nur mit großkalibrigen Jagdwaffen möglich sei.

 Im März 1967 wurde der Schießstand sogar mal polizeilich gesperrt, weil die Blenden schadhaft und so die Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten wa­ren. Es muß wohl eine Zeitlang gedauert haben, bis die Jägerschaft den Miß­stand vertragsgemäß behoben hatte, denn der Schießmeister der SG klagte noch in seinem Jahresbericht über mangelnde Trainingsmöglichkeiten und ausgefallene Schießtermine.

 Das Schützenhaus bekam auch bald eine Ofenheizung und eine Theke. Es war nicht länger mehr nur ein Aufenthaltsraum bei Training und Wettkämpfen, sondern der Mittelpunkt eines regen Vereinslebens. Es wurden Versammlun­gen dort abgehalten, man traf sich zum Klönen oder zum Skatspielen, manch­mal auch zu privaten Feiern.

 Diese vermehrte Nutzung des Hauses brachte dann ein Problem mit sich. Das Haus hatte keine Toiletten! Genauer gesagt: keine festen Toiletten. Seit Juli 1960 hatte der Verein auch eine Damengruppe, die fleißig trainierte.  So klagte dann ein Vorstandsmitglied 1962 zu Recht: "Es kann den Damen nicht zuge­mutet werden, die Toiletten im dunklen Wald zu benutzen."

Ein Jahr später waren dann feste Toiletten am Schützenhaus. Der Wegfall der Örtchen im dunklen Wald zwang dann allerdings die Schützen, auch anderen Gruppen, die den Platz benutzten, wie Jugendlager, Wanderartisten usw. Zu­gang zu den Toiletten zu gestatten. Auf besonderen Antrag hin wurde solchen fremden Vereinen auch die Benutzung von Küche und Keller gestattet, nicht jedoch der Zugang zum Schützenraum selbst.

 Dieser war nun noch nicht ganz so wohnlich, wie sich die Schützen das wünschten. Heinrich Surborg gab die Parole aus: kommen wir über den Hund, so kommen wir auch über den Schwanz, und so genehmigte die Jahreshaupt­versammlung 1965 nochmals 7.000,- DM für den letzten Schliff. Der Schützen­raum bekam eine Rohrmattendecke mit Algostat und Ventilation, die Wände wurden mit einer Stülpschalung verkleidet, das Fenster nach Westen wurde zugemauert und als Trophäenschrank gestaltet, vor dem Schützenhaus wurde eine Hecke gepflanzt, es wurden Stühle angeschafft. Auch für den Schießbe­trieb fiel noch was ab: 4 neue Luftgewehre und 5 Schießpritschen. Das alles ließ sich aber nur realisieren, indem jeder Schützenbruder eine einmalige Umlage von 20,- DM zahlte oder mindestens 8 Stunden daran mitarbeitete.

 Voll berechtigtem Stolz übergab im Juli 1965 der Vorsitzende Dr. Hermann Brammer den neugestalteten Raum an die Jäger und Schützen. Die Leistun­gen der Schützengesellschaft wurden auch vom Hegering anerkannt, der sei­nen in Aussicht gestellten Zuschuß zu den Baukosten vor lauter Freude auf 1.000,- DM verdoppelte.

 

 Anfang der 70er Jahre fand das Schießen mit der Sportpistole, Kaliber 5,6 immer mehr Freunde unter den Schützen. Die logische Folge davon war der Wunsch nach einem eigenen Pistolenschießstand. Was sollen wir uns lange mit der Vorgeschichte aufhalten ? Am 6. Oktober 1973 fand die offizielle Ein­weihung des Standes statt.

 Die Hermannsburger Schützen waren damit die ersten im Landkreis Celle, die einen automatischen Pistolenschießstand hatten. Automatisch deswegen, weil auf diesem Schießstand neben dem Präzisionsschießen auf eine normale Ringscheibe auch das sogenannte Duellschießen durchgeführt werden kann. Bei dieser Wettbewerbsart ist eine Scheibe mit den Umrissen einer menschli­chen Figur drei Sekunden lang dem Schützen zugewandt und schwenkt dann für sieben Sekunden zur Seite.

 Im Beisein von vielen Ehrengästen übergab der damalige Vereinsvorsitzende Werner Crolly seinem Schießmeister Helmut Fabritz die Schlüssel und lud an­schließend zu einem Imbiß und Umtrunk ein. Beim Anschießen hatten die Eh­rengäste dann Gelegenheit, ihren klaren Blick und Entschlußkraft unter Beweis zu stellen mit jeweils 5 Schuß Präzisions- und Duellschießen. Dabei taten sich  bei den schießgeübten Grünröcken Kreisjägermeister von Bothmer und bei den Zivilisten Bürgermeister Gerrit Bergner besonders hervor. Der Pistolenschieß­stand hatte 30.000,- DM gekostet !

Etwa um diese Zeit begann es in der Ehe Schützen und Jäger zu kriseln. Bei der Trophäenschau 1973 sagte Kreisgruppenvorsitzender Otto Bruns: "Unser Sorgenkind ist der Hermannsburger Schießstand."

 Es gab nämlich zunehmend Ärger mit Anwohnern, die sich durch das Schies­sen an Sonntagen und während ihrer geheiligten Mittagsruhe belästigt fühlten. Und das war naturgemäß das Schießen mit Großkalibern.

 Als die Gemeinde 1950 den Schützenplatz kaufte, war das ganze Gelände für den Sport vorgesehen – Schwimmbad, Fußball, Tennis, Schießen, Reiten. Doch wurde es später als Bebauungsgebiet ausgewiesen, und dann dauerte es nicht lange, daß die ersten Beschwerden von Anliegern des Galgenbergs ka­men.

 Die Jäger hatten Angst, daß die Gemeinde den Schießstand eines Tages schließen könnte und führten den Übungsbetrieb nur noch mit dem ge­ringstmöglichen Aufwand und unter Einhaltung von Ruhezeiten durch. Und verständlicherweise hatten sie keine Lust, noch Geld in dieses unsichere Unternehmen zu stecken. Zudem saß ihnen noch der Schreck der Windbruch­katastrophe vom November 1972 in den Knochen. Orkanartige Stürme hatten auf dem Schützenplatz einen Schaden in Höhe von 18.000,- DM angerichtet.

So sahen sich also die Schützen der Tatsache gegenüber, daß sie in Zukunft auch Neuanschaffungen und Reparaturen an den Schießanlagen überwiegend selbst zu finanzieren hatten.

 Es dauerte auch nicht lange, da hatten die zehn Jahre alten Scheibentrans­portanlagen im 50m- Stand ausgedient. Eine Reparatur war sinnlos, neue An­lagen kosteten 9.000,- DM ... also war mal wieder eine Umlage fällig. Jedes Mitglied zahlte 50,- DM, davon ausgenommen waren die Jungschützen.  Die sollten dann aber, wenn sie älter als 18 waren, mindestens 10 Stunden Arbeits­leistung erbringen.

Die Kette der Ausgaben für Erhaltung und Verbesserung des Schützenhauses und der Schießanlagen riß nicht ab. Um so größer war die Freude über einen Zuschuß des Landesschützenverbandes zum  Bau eines neuen Luftge­wehrstandes, der 1976 seiner Bestimmung übergeben wurde. Drei Jahre spä­ter wurde dann das Dach schadhaft, welches man beim Bau des Schützenhau­ses aus Kostengründen nur mit Ziegeln zweiter Wahl eingedeckt hatte. Der Kostenvoranschlag dafür belief sich auf 7.000,- DM !

Im Juli 1980 reichten die Jäger dann endgültig die Scheidung ein. Unterhaltung und Nutzung des Schießstandes standen in keinem vertretbaren Verhältnis mehr zueinander. Das Ende der gemeinsamen Benutzung von Haus und Schießstand war gekommen. Der Landesjagdverband Niedersachsen - Kreis­gruppe Celle - zahlte an die  Schützengesellschaft eine Abstandssumme, die sofort wieder verbaut wurde für neue Scheibenzuganlagen in der 100m- Bahn.

 Das freundschaftliche Verhältnis der Hermannsburger Schützen zu den Jä­gern, und ganz besonders zum Hegering Hermannsburg- Müden, litt darunter in keiner Weise. Zu besonderen Anlässen dürfen die Jäger auch weiterhin den Schießstand benutzen, jetzt allerdings bei vorheriger Anmeldung und Zahlung von Standgeldern !

 Die Unterhaltskosten für das Schützenhaus sind immer noch der größte Po­sten auf der Ausgabenseite des Schatzmeisters der SG. 1982 hieß es schon wieder: es stehen teuere Reparaturen und Investitionen bevor. 1987 beschloß die Jahreshauptversammlung eine Beitragserhöhung, die voll in die Rücklage für den dringend notwendigen Umbau des Hauses ging.

Ende der 80er Jahre wurden dann Pläne für den Umbau und die Vergrößerung des Hauses erarbeitet. Mit den Arbeiten begannen die Schützen im September 1992, nachdem die Gemeinde Hermannsburg, der Landkreis Celle und der Kreissportbund ihre finanzielle Hilfe zugesagt hatten. Der Aufenthaltsraum er­hielt eine neue Decke. Die alte war noch mit Strohmatten verkleidet !

 Der Schießmeisterraum und die Waffenkammer wurden zentral im Gebäude neu gebaut und entsprechen jetzt den Vorschriften des neuen Waffengesetzes. Die sanitären Anlagen wurden erneuert. Das gesamte Gebäude erhielt eine Wärmedämmung, eine Ziegelverkleidung, neue Türen und Fenster, was man unter dem Begriff Energiesparen zusammenfassen kann.

 Auch in diesen Umbauten steckte wieder ein erhebliches Maß an Eigenlei­stung des Vereins. Die Summe der nachgewiesenen Arbeitsstunden von Ver­einsmitgliedern betrug über 1.500 !

1994 wurden die Bauarbeiten abgeschlos­sen.

 

 

 

Die Schützenkönige 1922 bis 1939

 

Jahr       Schützenkönig               1. Adjutant         2. Adjutant

 

1922

Willi Wittmann

 

 

1923      Albert Ehlers                                                             

1924

Kurt Giemenz

 

 

1925

Otto Hiestermann

 

 

1926

Heinrich Lange

 

 

1927

Heinrich Kaiser

 

 

1928

August Kuhlmann

 

 

1929

Ernst Reck

 

 

1930

Hans Hohmann

August Ssymank

Albert Heise

1931

August Renner

Hans Hohmann

Theodor Neuer

1932

Hermann Lange

Wilhelm Westphal

August Scheller

1933

Albert Ehlers

 

 

1934

Heinrich Lange

Dr. Kurt Niebuhr

Hermann Lange

1935

Heinrich Renner

 

 

1936

Ernst Siekmann

Heinz Meyerhoff

Walter Funke

1937

Dr. Kurt Niebuhr

Kurt Giemenz

Heinrich Lange

1938

Bruno Hermsdorf

Heinrich Lange

Wilhelm Westphal

1939

Kurt Giemenz

Paul Rauh

Wilhelm Speckhan

 

 

Erläuterungen:

Die Titel Adjutant für den zweit- und drittbesten Schuß auf die Königsscheibe wurden erst ab 1930  vergeben. Für 1933 und 1935 liegen keine Angaben vor.

Vor dem Kriege bekamen die Könige auch selten Beinamen. Wenn überhaupt, dann hießen sie schlicht Hermann I. oder Heinrich II. Überliefert sind nur folgende: für den König 1936 Ernst Siekmann "der Vorreiter" – für den König 1938 Bruno Hermsdorf "der Mostkönig" – für den König 1939 Kurt Giemenz "der Zähnebrecher". (Kurt Giemenz war Dentist.)                                            

Die Schützenkönige seit 1949

 

 

 

Jahr

König

Name

Adjutanten

 

 

 

 

 

 

 

 

1949

Edwin Deutgen

das offene Auge

?

 

 

 

 

1950

Wilhelm Westphal

?

1. Otto Völker

2. Ernst Schubert

 

 

 

 

1951

Hermann Brammer

der Helfer in allen Leibesnöten

1. Kurt Giemenz

2. Heinz Meyerhoff

 

 

 

 

1952

Carl Behn

der stille Baumeister

1. Hermann Meyer

2. Werner Klaus

 

 

 

 

1953

Erich Ahrens

der Zackige

1. Albert Ehlers

2. Bruno Hermsdorf

 

 

 

 

1954

Werner Crolly

der Unfehlbare und Treffsichere

1. Kurt Niebuhr

2. Heinrich Prüser

 

 

 

 

1955

Hermann Kruse

der Ruhige

1. Wilhelm Gebers

2. Bruno Hermsdorf

 

 

 

 

1956

Karl- Hch. Hellberg

der Erfolgreiche

1. Walter König

2. Günther Lange

 

 

 

 

1957

Heinz Gebers

der Ruhige

1. Albert Fabritz

2 .Kurt Schmidt

 

 

 

 

1958

Max Weber

der wackere Schwabe

1. Walter Heine

2. August Kuhlmann

 

 

 

 

1959

Karl- H. Albers

aus dem Königswinkel

1. Fritz Bode

2. Gerhard Böhm

 

 

 

 

1960

Egon Ssymank

der Bedächtige

1. Arnold Behrens

2. Heinrich Dormeier

 

 

 

 

1961

Heinrich Surborg

der Treue

1. Erich Ahrens

2. Walter König

 

 

 

 

1962

Wilhelm Ripke

der alte Kaisertreue

1. Hans- Otto Fritz

2. Lothar Siekmann

 

 

 

 

1963

Hermann Lange

der Sanftmütige

1. Kurt Giemenz

2. Wilhelm Nöschel

 

 

 

 

1964

Karl Hermann

der Starke

1. Gottfried Sander

2. Wilhelm Marwede

 

 

 

 

1965

Alfred Reh

der Aufrichtige vom Heidberg

1. Hermann Lange

2. Leo Bogusch

 

 

 

 

1966

Albert Drewes

der Prächtige

1. Heinrich Surborg

2. Willi Winterhoff

 

 

 

 

1967

Heinrich Renner

der waidgerechte Jäger

1. Carl Behn

2. Leo Bogusch

 

 

 

 

1968

Kurt Hermann

der Freigebige

1. Werner Klaus

2. Werner Crolly

 

 

 

 

1969

Gottfried Sander

der Unermüdliche

1. Rudi Kluge

2. Hans- H. Siegmann

 

 

 

 

1970

Rainer Georgi

der Messekönig

1. Adolf Pawelzik

2. Manfred König

 

 

 

 

1971

Friedrich Renner

der Heidberger Immenkönig

1. Heinrich Renner

2. Josef Deack

 

 

 

 

1972

Georg Donner

der Meister in Pflicht und Treue

1. Dieter Schomburg

2. Rainer Funk

 

 

 

 

1973

Klaus Grobe

der Anhängliche

1. Helmut Fabritz

2. Adolf Schubert

 

 

 

 

1974

Heinrich Dormeier

der zielstrebige Baumeister

1. Heinrich Renner

2. Heinz Gebers

 

 

 

 

1975

Rüdiger Stuke

der sieggewohnte Sportsmann

1. H.-J. Rosenbrock

2. Wolfgang Meyer

 

 

 

 

1976

Rudi Kluge

der Gesellige

1. Heinrich Dormeier

2. Otto Völker

 

 

 

 

1977

Aribert Kempf

der Standhafte

1. Manfred König

2. Walter Koch

 

 

 

 

1978

Herbert Albers

der Rührselige

1. Heinz Renner

2. Hans Claaßen

 

 

 

 

1979

August Speckhan

der Sangesfreudige

1. Michael Espe

2. Rainer Georgi

 

 

 

 

1980

Josef Deack

der kleine König

mit dem großen Hobby

1. Hermann Brammer

2. Raimund Krüger

 

 

 

 

1981

Georg Donner

der Sonnenkönig

1. Erich Köllner

2. Aribert Kempf

 

 

 

 

1982

Heinz Gebers

der Silberne aus der Königsallee

1. Leo Bogusch

2. Josef Deack

 

 

 

 

1983

Carl Behn

der Aufrichtige

1. Detlef Ludewigs

2. Adolf Schubert

 

 

 

 

1984

Fritz- P. Klooth

der Kontaktfreudige

1. Jochen Tolle

2. Leo Bogusch

 

 

 

 

1985

Hans- H. Siegmann

der Vielseitige aus der Königsallee

1. Fritz-P. Klooth

2. Walter Koch

 

 

 

 

1986

Wilhelm Nöschel

der humorvolle Heidjer

1. Ernst-W. Grünhagen

2. Udo Giering

 

 

 

 

1987

Jürgen Albers

der Farbenfrohe

1. Helmut Pawelzik

2. Adolf Schubert

 

 

 

 

1988

Rainer Georgi

der Hochtourige

1. Erwin Bröckner

2. Erwin Tiegs

 

 

 

 

1989

Christian Vogel

der Unbekümmerte

1. Klaus Katzke

2. Fr.- Wilh. Riggers

 

 

 

 

1990

Oskar Flatt

der gastfreundliche Kurzregent

1. Erwin Bröckner

2.  Wolfgang Meyer

 

 

 

 

1991

Hans Haarke

der Freischwimmer

1. Christian Mertsch

2. Hans-O. Fritz

 

 

 

 

1992

Manfred König

das Pokergesicht

1. Jürgen Albers

2. Klaus Katzke

 

 

 

 

1993

Raimund Krüger

der ehrgeizige Oldendorfer

1. Lars- Holger Kirks

2. Christian Mertsch

 

 

 

 

1994

Gerd Gensch

der Senkrechtstarter

1. Udo Giering

2. Hermann Oertel

 

 

 

 

1995

Manfred König

 

1. Helmut Dohrmann

2. Udo Giering

 

 

 

 

1996

 

 

 

 

 

 

 

 

1997

 

 

 

 

 

 

 

 

1998

 

 

 

 

 

 

 

Seit 1952 malt Willi Winterhoff die Scheiben für die Hermannsburger Schützen

 

 

 

 

 

Die Ehrenscheibengewinner

 

Leider gibt es keine Aufzeichnungen über die Einführung der Ehrenscheibe. Wer durfte oder wer sollte darauf schießen? Schützenkönig konnte nur werden, wer in Hermannsburg ansässig, über 24 Jahre alt und verheiratet war. Die Einschränkungen galten nicht für die Ehrenscheibe. Um diese Würde konnten also alle männlichen Mitglieder der SG in der Schützenklasse (über 21) kämpfen.

 

1955

Heinrich  Surborg

1975

Hans- Otto Fritz

1956

Günther Lange

1976

Helmut Timme 

1957

Heinrich Prüser

1977

Werner Klaus

1958

Robert Reichert

1978

Reinhold Schneider

1959

Wilhelm Brammer

1979

Jürgen Albers

1960

Ernst- August Tolle

1980

Dieter Schomburg

1961

Karl Laval

1981

Heinrich Dormeier

1962

Kurt Giemenz

1982

Fritz- Peter Klooth

1963

Wilhelm Gebers

1983

Walter Riggers

1964

Karl Rosenbrock

1984

Manfred König

1965

Dr. Hermann Brammer

1985

Heinz- Jürgen Meyerhoff

1966

Karl Hermann

1986

Heinz Renner

1967

Leo Bogusch

1987

Erwin Bröckner

1968

Heinrich Hormann

1988

Hans- Otto Fritz

1969

Rüdiger Stuke

1989

Hans- Heinrich Siegmann

1970

Fritjof Schmidt

1990

Heinz Gebers

1971

Wilhelm Völker

1991

Gottfried Sander

1972

Max Weber

1992

Eckhard Albers

1973

Max Weber

1993

Udo Giering

1974

Klaus Hermsdorf

1994       

Wolfgang Kutnik

 

 

1995

Raimund Krüger

 

 

 

Kirks- Pokal und Thieder Kette

 

 

1960 stiftete das Eisenwarengeschäft Kirks in Hermannsburg einen Pokal, der als Wanderpokal für den zweitbesten Schuß auf die Ehrenscheibe verliehen wurde. Diesen Pokal errangen :

 

1960  Karl- Heinz Albers

1961  Kurt Schmidt

1962  Hans- Günther Alvermann

1963  Hans- Otto Fritz

1964  Wilhelm Nöschel

1965  Werner Crolly

1966  Otto Völker

1967  Dr. Hermann Brammer

 

für 1968 und 1969 liegen keine Angaben vor, wahrscheinlich wurde der Pokal dem letzten Gewinner auf Dauer zugesprochen.

 

1970 stiftete der befreundete Schützenverein Salzgitter- Thiede den Hermannsburger Schützen eine Kette, die ebenfalls für den zweitbesten Schuß auf die Ehrenscheibe verliehen wurde. Diese Kette trugen:

 

1970  Michael Espe

1971  Werner Marwede

1972  Ulrich Bodmann

1973  Hermann Wedemann

1974  Hans- Heinrich Siegmann

1975  Herbert Albers

1976  Heinrich Dormeier

1977  Dieter Schomburg

 

für 1978 liegen keine Angaben vor, wahrscheinlich wurde die Kette nicht weiter ausgeschossen. 1979 stiftete der Festwirt Garberding einen Pokal, den

1979  Klaus Grobe errang.

 

Ab 1980 wurde dieser Pokal nicht mehr zum Schützenfest ausgeschossen, sondern im Laufe des Jahres unter den aktiven Schützen.

 

Die Vereinsführung

 

Die Namen der Schützen, die den Verein führten oder sonst eine besondere Funktion ausübten, sind aus den Protokollen ersichtlich. Sie sind in den Tabel­len zusammengestellt.

In den Jahren bis zum Krieg setzte sich der Vorstand aus neun Mann zusammen: ein 1. Vorsitzender, ein 1. Schriftführer und ein 1. Kassierer. Dazu für jeden von ihnen ein Stellvertreter und noch drei Beisitzer.

 Die Vorstandsmitglieder hatten relativ lange Amtszeiten, die Beisitzer wech­selten häufiger. Unter diesen tauchen auch bald die Namen Karl Brandes und Albrecht von der Gröben auf, beides ehemalige Offiziere, die im Vereinsleben noch eine Rolle spielen sollten.

 Dem Vorstand zur Seite stand dann eine Anzahl von Komitees, Ausschüssen und Kommissionen, teils ständige, teils kurzzeitig eingesetzte. Zu den ständi­gen zählte das Schießkomitee. Das waren vier Mann, die sich auch Zeugmeister oder Waffenmeister nannten. Später – um das Jahr 1930 herum – bestand der Schießausschuß aus zehn Mann, die aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden wählten und für den gesamten sportlichen Schießbetrieb verantwortlich waren. Dieser  Schießauschuß hatte auch eine eigene Kasse für Munition, Schießbedarf, Po­kale und Medaillen.

 Ein weiterer ständiger Ausschuß – ebenfalls mit zehn Mann besetzt – war der Festausschuß, der die gesellige Seite des Vereinslebens betreute. Neben die­sen Gremien wurden häufig ad hoc Kommissionen für besondere  Aufgaben eingesetzt, zum Beispiel beim Schützenfest für den Preiseinkauf, das Tanzen und Kassieren, beim Bau des Schützenhauses usw.

Nach dem Kriege brauchte auch die Vereinsführung Zeit, sich zu "konstituieren". Auf der Jahreshauptversammlung im Januar 1952 wurde erst­mals ein vierköpfiger geschäftsführender Vorstand gewählt.

In dasselbe Jahr fiel auch die  Einrichtung eines Ehrengerichts, das Streitigkei­ten unter den Schüt­zen schlichten sollte, aber selten tätig geworden ist.

 Es hat wenig Mühe gemacht, die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstan­des tabellarisch zusammenzustellen. Schwieriger war es schon, die soge­nann­ten " Nebenämter"  zeitlich richtig den einzelnen Personen zuzuordnen. Mit dem Ausdruck Nebenämter soll aber nichts über die Wichtigkeit dieser Posten gesagt werden! Die Schwierigkeit liegt zum einen daran, daß auf diesen Po­sten häufiger gewechselt wurde als im Vorstand, zum anderen daran, daß eini­ge Schützenbrüder mehrere Funktionen gleichzeitig oder überschneidend aus­übten.

Das Paradebeispiel dafür ist Heinrich Surborg, der im Laufe seines Schützen­lebens wohl jedes  Amt innehatte, das der Verein zu vergeben hatte, mit Aus­nahme das des er­sten Vorsitzenden. Insofern können in dieser Tabelle Fehler sein.

 Beisitzer gab es nach dem Kriege nicht mehr, wohl aber Schießausschuß und Vergnügungsausschuß, die zum erweiterten Vorstand gehörten. Alle diese Gremien wurden jährlich neugewählt, bzw. wiedergewählt.

1966 taucht zum ersten Mal die Bezeichnung Schafferrat auf für den erweiter­ten  Vorstand. Der Name ist wahrscheinlich in Anlehnung an den in Celle exi­stierenden Großen Schafferrat der Schützengesellschaften gewählt worden. Damit hatte der ge­schäftsführende Vorstand nun einen Beraterstab für spezi­elle Aufgaben an der Seite.

 Die Zusammensetzung des ersten Schafferrats war  folgende:

 

Präsident Dr. Hermann Brammer               Pressewart Kurt Förster

Schießmeister Helmut Fabritz                    Werbungsleiter Herbert Menzel

Jugendleiter Heinrich Surborg                    technischer Leiter Erich Ahrens

Platzmeister Horst Lorenz                           für besondere Aufgaben Alfred Reh

Damensprecherin Lieselotte Crolly

 

Zu den einzelnen Posten ist zu sagen: das Amt des Präsidenten wurde eigens für Dr. Brammer geschaffen, er sollte es auf Lebenszeit haben, es sollte dann nicht wieder besetzt werden. Der Schießmeister war der frühere Vorsitzende des Schießausschusses. Der Verein hatte jetzt auch eine Jugendgruppe und eine Damengruppe, die im erweiterten Vorstand vertreten sein sollten. Platz­meister und technischer Leiter hatten am meisten Arbeit beim Schützenfest mit dem Aufbau und dem Elt- Anschluß der Schausteller, Buden und Karussells. Der Schafferrat war zahlenmäßig nicht begrenzt, auch wurden nicht alle Ämter immer vergeben, er hatte also keine gleichbleibende Zusammensetzung. Er wurde jährlich neu gewählt, bzw. bestätigt.

 1971 beschloß die Generalversammlung, daß der Schießmeister Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes werden sollte. Anscheinend sind eine entspre­chende Satzungsänderung und Eintrag in das Vereinsregister unterblieben. Jedenfalls fungierte Schießmeister Helmut Fabritz bis zu seinem Rücktritt 1985 als Vorstandsmitglied.

 

 Da inzwischen der zweite Vor­sitzende das Amt des Schriftführers in Personal­union übernommen hatte, be­stand der Vorstand jetzt aus 4 Mann: erster und zweiter  Vorsitzender, Schatz­meister und Schießmeister. Er amtierte jeweils drei Jahre.

1984 beschloß die Jahreshauptversammlung, die Amtszeit des Schafferrats auf 3 Jahre zu verlängern, damit sie dann mit der des Vorstandes nach § 26 BGB ( = geschäftsführender Vorstand ) gleichläuft.

 1989 wurde dann die Satzung geändert, um den Schießmeister und den Ju­gendleiter in den Vorstand aufnehmen zu können. Seitdem hat der Vorstand fünf Mitglieder.

Die Schützengesellschaft ist immer ein "demokratischer Verein" gewesen. Alle wichtigen Beschlüsse faßte und faßt die Mitgliederversammlung. Die  Vereinsführung war und ist immer "teamwork". Es wurde deshalb darauf verzichtet, die einzelnen Vorsitzenden zu charakterisieren und ihre Verdienste zu würdigen.

 

 

 

Die Vereinsführung nach 1949

 

 

A) Erster Vorsitzender

 

1949

Albrecht von der Gröben

 

1950 - 1955

Bruno Hermsdorf

 

1956 - 1965

Dr. Hermann Brammer

 

1966 - 1983

Werner Crolly

 

1984 - 1988

Heinz Gebers

 

1989

Klaus- Peter Beyl

 

 

B) Zweiter Vorsitzender

 

1952 - 1959

Hermann Springhorn

 

1960 - 1965

Werner Crolly

 

1966 - 1967

Heinrich Surborg

 

1968 - 1988

Peter Vogel

 

1989

Hans- Jürgen Rosenbrock

 

 

C) Schatzmeister

 

1949 - 1953

Heinrich Surborg

 

1954 - 1955

Karl Wißler

 

1956 - 1957

Heinrich Surborg

 

1958 - 1970

Karl- Heinrich Hellberg

 

1971 - 1979

Alfred Reh

 

1980

Reinhold Schneider

 

 

D) Schriftführer (nur bis 1988 Vorstandsmitglied)

 

1949

Bruno Hermsdorf

 

1950 - 1951

Wilhelm Völker

 

1952 - 1955

Carl Behn

 

1956 - 1967

Hermann Springhorn

bis 1959 in Personalunion als 2. Vorsitzender

bis 1967 als Vorstandsmitglied

1968 - 1970

Alfred Reh

 

1971

Peter Vogel

bis 1988 in Personalunion als 2. Vorsitzender

ab 1989 als Mitglied des Schafferrats

 

E) Schießmeister (von 1971 bis 1985 und ab 1989 Vorstandsmitglied)

 

1971 - 1985

Helmut Fabritz

 

1989

Manfred König

 

 

F) Jugendleiter (seit 1989  Vorstandsmitglied)

1989

Bernd- Wilhelm Winkelmann

 

Die Vereinsführung von der Gründung bis zum Krieg

 

 

A) Erster Vorsitzender

 

bei der Gründung

Otto August Riechers

provisorisch

1921

Förster Kurt Hinze

 

1922 - 1933

Heinrich Hiestermann

 

1934

Major a.D. Karl Brandes

 

1935 - 1939/ 40

Major a.D. Albrecht von der Gröben

 

 

B) Zweiter Vorsitzender

 

bei der Gründung

Heinrich Möller

provisorisch

1921 - 1933

Otto Hiestermann

 

1934 - 1939/ 40

Bruno Hermsdorf

nur formell Vereins-

führerstellvertreter

C) Erster und zweiter Kassierer

 

1921 - 1924

Otto Ritter

Hermann Thies

1925

Otto August Riechers

Ernst Hiestermann

1926

Ernst Hiestermann

Hermann Schulte

1927

Ernst Hiestermann

Dr. Kurt Niebuhr

1928

Ernst Hiestermann

Wilhelm Kaiser

1929 - 1930

Ernst Hiestermann

1931 - 1936

Bruno Hermsdorf

1937 - 1938

Heinrich Surborg

1939

Heinrich Surborg

Dietrich Eggers

 

D) Erster und zweiter Schriftführer

 

bei der Gründung

Karl Hiestermann

provisorisch

1921

Bruno Hermsdorf

Heinrich Möller

1922 - 1924

Willy Thiele

1925 - 1927

Willy Thiele

Kurt Giemenz

1928 - 1930

Willy Thiele

Bruno Hermsdorf

1931

Willy Thiele

August Kuhlmann

1932 - 1933

August Renner

August Kuhlmann

1934 - 1936

Heinrich Heine

1937 - 1938

Bruno Hermsdorf

1939

Bruno Hermsdorf

Egon Ssymank

Die Jugendgruppe

 

Im August 1954 wurde beschlossen, auch 14 -18jährige aufzunehmen, die dann zusammen mit den 18 - 21jährigen die Jungschützengruppe bildeten. Nach Vollendung des 21. Lebensjahres sollten sie als  ordentliche Mitglieder in die Schützengesellschaft übernommen werden.

 

 Werner Crolly und Helmut Fabritz waren die Leiter dieser Gruppe. Es dauerte aber nicht lange, daß diesen beiden noch mehrere Schützenbrüder als Schießaufsichten an die Seite gestellt wurden, namentlich - wie es im Protokoll heißt: "die im Gerichtsweg wohnenden mit Karl Albers als Oberaufsicht." Ein Zeichen wohl dafür, daß die Beteiligung rege war. Beim Kinderschützenfest 1957 trat erstmalig die Jungschützengruppe gut uniformiert in Erscheinung, berichtete die Cellesche Zeitung.

 

 Nach einem kurzen Interregnum auf dem Posten des Jugendleiters übernahm im Herbst 1958 Bäckermeister Heinrich Surborg die Leitung,... nachdem er sich kurz vorher wegen beruflicher Überlastung von allen Ämtern hatte entbinden lassen ! Jetzt hatte er ein Amt, das ihm wie auf den Leib geschneidert war, das er über 10  Jahre lang mit unglaublichem Einsatz und einer einmaligen Fähigkeit, junge Menschen zu begeistern, ausübte. Die Erfolge blieben nicht aus. 10 - 15 Jugendliche trainierten regelmäßig, errangen die ersten Jugendnadeln, fuhren zu Wettkämpfen, Meisterschaften und Vergleichsschießen über Land und setzten sich überall an die Spitze !

 Siehe hierzu das Kapitel : Das Schießen.

 

Anfang der 60er Jahre waren dem Kreisverband fast regelmäßig um die 20 Jungschützen gemeldet. Sie alle verehrten ihren Jugendleiter und ließen sich zu außergewöhnlichen Leistungen motivieren. Wenn sie Heinrich Surborg in der Backstube besuchten und dort frühstückten, ehe sie losfuhren zu irgendeinem Wettkampf, und ins Fachsimpeln kamen, dann griff er wohl auch mal den Brotschieber und demonstrierte damit die richtige Anschlagsart !

 Die Backstube war dann auch der einzige Ort, wo man Heinrich Surborg außerhalb des Schützenhauses noch antreffen konnte. Da tat er noch seine Arbeit, im Laden dagegen war er so gut wie nie. So hieß es auch in der Familie: wenn wir pleite gehen, dann ist der Schützenverein Schuld ! Der beanspruchte nämlich nicht nur Heinrichs Zeit, sondern auch sein Geld. Spesen, Tagegelder, Fahrtkostenzuschuß ....das waren unbekannte Vokabeln für ihn.

 

 Aus dem Jahre 1965 ist eine hausgemachte "Zeitschrift zum Winterfest der Jugendgruppe der SG Hermannsburg" erhalten, die wie eine Hochzeitszeitung aufgemacht ist, mit Gedichten, Zeichnungen und Fotomontagen. Die 60er Jahre waren bekanntlich und wie im Kapitel : Das  Schießen nachzulesen ist - die erfolgreichsten der Jugendgruppe. Dementsprechend stark war ihr Zusammenhalt und groß ihre Verehrung für Heinrich Surborg.

 Die ersten Reime lauten :

     Die Hermannsburger Jugend ist gefürchtet und bekannt,

     nicht nur im Kreis, im ganzen Niedersachsenland !

     Jedermann ist interessiert, wie werden diese Jung´s dressiert ?

     Der Mann, der dieses alles tut,

     der den Nachwuchs zieht wie die Henne ihre Brut,

     ist von Beruf ein Bäcker ... usw.

 Auf den folgenden Seiten wurden dann aber die Meisterschützen ganz schön durch den Kakao gezogen und ihre Angewohnheiten in Wort und Bild glossiert.

 

1960 tauchte das erste Mädchen im Schießstand auf, es war Erika, die Tochter des Vorsitzenden Dr. Hermann Brammer. Die wollte beim Schießen auf den Kinderkönig mitmachen. Die entsetzte Reaktion des  Schießmeisters Helmut Fabritz: "Du, ein Mädchen ??" Aber aus dem Schreck fiel er ins Staunen über die 13jährige Göre. Der erste Schuß ( KK 50m, stehend an der Stange ) war eine Zehn , der  Stechschuß wieder eine Zehn ! Dummerweise aber hatte der männliche Konkurrent auch 2 Zehnen geschossen. Erst beim 4. Stechen verlor er die Nerven und setzte einen Schuß "in den Sand".

 Erika war die erste Kinderkönigin der SG .. und im selben Jahr wurde ihr Bruder Helmut Jugendkönig ! Vater Brammer war sehr stolz auf seine Kinder, versuchte aber vergeblich, es ihnen gleichzutun.

 Was der Schießmeister nicht ahnen konnte: Erika hatte nicht zum ersten Mal ein Gewehr in der Hand ! Brammers hatten einen Luftgewehrstand auf dem Dachboden, da trainierte der Jungschütze Helmut, und sein Schwesterchen durfte erst zusehen, dann kleine Handreichungen machen und endlich selbst mal schießen und dann systematisch trainieren.

 

 1966 baten auch die Jugend und die Bläsergruppe des Hegerings, von Heinrich Surborg im Schießen ausgebildet zu werden ! 

1969 übernahm Gottfried Sander die Jugendgruppe, nachdem er schon vorher oft mit den Jugendlichen zu auswärtigen Wettkämpfen gefahren war.  Die Mitgliederzahlen schnellten in die Höhe, und das Eintrittsalter sank. Auch andere junge Mädchen entdeckten das Schießen als sportliche Betätigung.

 

 Die Jugendlichen wurden jetzt unterteilt in Schüler (bis 14 Jahre alt ), Jugendliche ( von 14 bis 18 Jahre alt ) und Junioren ( 18 bis 21 Jahre alt ). Im Durchschnitt waren 22% aller Mitglieder der SG Jugendliche ! So konnte zum Beispiel auf der Jahreshauptversammlung 1979 berichtet werden, daß 56 Jugendliche aktiv waren und "der Jugendleiter einen Kartoffelsack hätte brauchen können, um alle Preise und Pokale von den Wettkämpfen nach Hause zu tragen."

 Von 1978 bis 1982 war Aribert Kempf Jugendleiter, dann übernahm Bernd- Wilhelm Winkelmann die Gruppe.

 

 Anfang der 80er Jahre gingen dann allerdings die Mitgliederzahlen der Jugendgruppe zurück. Schuld daran war eine neue "Waffen- Verwaltungsvorschrift für Schießsporttreibende im Kindes- und Jugendalter". Danach war Jugendlichen das Schießen mit Luftdruckwaffen erst ab 14 Jahren gestattet, das Schießen mit Feuerwaffen erst ab 16 Jahren. Beide Altersgrenzen konnten um jeweils 2 Jahre gesenkt werden, wenn die Eltern schriftlich ihr Einverständnis dazu gegeben hatten. Kinder unter 12 Jahren durften überhaupt nicht schießen. Diese Bestimmung wirkte sich sehr nachteilig auf die Jugendarbeit in vielen Vereinen aus.

 

 

 

Die Kinderschützenkönige

 

 

1938 wurde das erste Kinderschützenfest durchgeführt

Kinderkönig wurde Peter Hiestermann, Königin Lieselotte Surborg

1. Kinderschützenminister: Bruno Hermsdorf, 2. Minister Horst Steinweg

 

1939 wurde Heinrich Penshorn Kinderkönig, Königin Christel Arnolds

 

1951

Wilhelm Gebers

1973

Thomas Reh

1952

Karl Rodehorst

1974

Martin Renner

1953

Hermann Kruse

1975

Dirk Schütze

1954

Karl Laval

1976

Arno Lange

1955

Karl Laval (12!)

1977

Mathias Laval

1956

Herbert Albers

1978

Mathias Laval

1957

Uli Bodmann

1979

Michael Ripke

1958

Hans- Heinrich Kaiser

1980

Manuela  Funk

1959

Karl- Heinrich Setzepfand

1981

Monika Karkoska

1960

Erika Brammer

1982

Martin Mayer

1961

Wolfgang Crolly

1983

Monik Karkoska

1962

Rolf Weber

1984

Nicole Ahrens

1963

Hans- Jürgen Rosenbrock

1985

Jens Knak

1964

Walter König

1986

Bianca Schneider

1965

Gerhard Hollborn (10 !)

1987

Nina Zeun

1966

Walter Sander (10 !)

1988

Arne Winterhoff

1967

Hermann Rabe

1989

Mirko Koch

1968

 Heinz- Wilhelm Gebers

1990

Thorsten Bruns

1969

Peter Crolly

1991

Nico Wienberg

1970

Hermann Hellberg

1992

Katja Grünhagen

1971

Christine Kluge

1993

Andreas Hellmann

1972

Rainer Tiegs

1994

Martin Severloh

 

 

1995

Claudia Deack

Die Jugendkönige

 

 

Nach der Gründung der Jugendgruppe wurde 1955 erstmals ein Jugendkönig mit dem KK- Gewehr ausgeschossen. Jugendkönig kann nur ein Mitglied der Jugendgruppe der SG werden.

 

 

1955

Hans- Joachim Müller

1975

Hermann Rabe

1956

Friedel Renner

1976

Peter Crolly

1957

Karl- Heinz Rosenbrock

1977

Christine Kluge

1958

Heinrich Hellberg

1978

Christine Kluge

1959

Werner Koth

1979

Dirk Tolle

1960

Helmut Brammer

1980

Jürgen Grünhagen

1961

Helmut Pawelzik

1981

Olaf Tolle

1962

Benno Lewerenz

1982

Lars- Holger Kirks

1963

Helmut Pawelzik

1983

Ilona Petersen

1964

Frank Wendenhorst

1984

Klaus Tolle

1965

Wolfgang Crolly

1985

Marcus Mayer

1966

Hans- Jürgen Rosenbrock

1986

Martin Nordhaus

1967

Einhard Schmidt

1987

Nicole Ahrens

1968

Karsten Marwede

1988

Jens Knak

1969

Uwe  Roßmann

1989

Michael Lange

1970

Wolfgang Balke

1990

Christian Alm

1971

Peter Crolly

1991

Jens Knak

1972

Manfred Deack

1992

Mario Franz

1973

Horst Gebers

1993

Michael Glagla

1974

Gerald Kruse

1994

Karsten Severloh

 

 

1995

Mirko Koch

 

 

 

Die Damensprecherinnen

 

 

Die Leiterin der Damengruppe heißt offiziell Damensprecherin und gehört automatisch dem Schafferrat an.

Das Amt übernahmen :

 

1960

Käthe Lange

1965

Lieselotte Crolly

1968

Gerda Renner

1975

Bärbel Schneider

1978

Margrit Schade

1983

Adelheid Winkelmann

1985

Erika Albers

 

 

 

Die Damengruppe

 

Die erste Erwähnung finden wir in einem Protokoll vom März 1960. Da heißt es: "Eine Damengruppe kann ins Leben gerufen werden, wenn die Versiche­rungsbedingungen erfüllt sind. Schbr.  Ehlers übernimmt die Leitung."

 Ein gutes halbes Jahr später wurde der Schützenversammlung offiziell mitge­teilt, daß die Damengruppe existiert und bei allen sportlichen Veranstaltungen gleichberechtigt ist.

 Die erste Damensprecherin war Käthe Lange.

 Die Damen zahlten einen Monatsbeitrag von 1,- DM.

 In der Jahresmeldung an den Kreisverband Celle wurden für 1961 erstmals  sieben Damen gemeldet.

 Es besteht der Verdacht, daß die Damen schon vor der offiziellen Gründung trainiert haben. Denn im gleichen Jahr schon fuhr eine Damenmannschaft zu den Kreismeisterschaften und kam mit einem ersten und 2 zweiten Plätzen nach Hause!  Die weiteren sportlichen Erfolge der Damen siehe im Kapitel: Das sportliche Schießen.

 Während die Gleichberechtigung bei sportlichen Veranstaltungen kein Pro­blem war, gab es offenbar Schwierigkeiten, wie die weiblichen Mitglieder der SG beim Schützenfest beteiligt werden könnten. Viele traditionsreiche Veran­staltungen schienen für die Damen ungeeignet. So verfiel man auf die glorrei­che (?) Idee, die Damen beim Katerfrühstück als Bedienung einzusetzen. Ob alle davon begeistert waren, ist nicht überliefert. Jedenfalls ist es bis heute da­bei geblieben.   Natürlich schossen die Damen unter sich auch eine "Königin" aus. 1962 stiftete der damalige Schützenkönig Heinrich Surborg einen Wanderpreis für die jeweils beste Schützin. Die erste Preisträgerin war Sigrid Luhmann. "Nach schwierigen Berechnungen", wie es im Protokoll heißt, denn von 100 möglichen Ring hatten drei Damen 84 geschossen!  Diese Leistung wurde im nächsten Jahr noch übertroffen, als Ursel Völker mit 93 von 100 möglichen  Ring die ungekrönte Königin der Damengruppe wurde. Später bürgerte sich die Bezeichnung Damenbeste für die beste Schützin ein, die nächstbesten Ergebnisse bekamen die Titel Erste und Zweite Dame und entsprachen somit den Adjutanten bei den Schützen. 1969 stiftete Gottfried Sander eine Damenbesten- Kette, die erstmals im fol­genden Jahr von Gerda Renner getragen wurde. Ab 1979 bekam die Damenbeste zusätzlich noch einen Pokal.  In den 80er Jahren waren im Durchschnitt 31 Damen in der Schützenklasse, dazu kamen noch ungefähr 15 weibliche Jugendliche.

 

Die Damenbesten

Jahr

Damenbeste

 

 

1962

Sigrid Luhmann

bekommt den von Surborg gestifteten Wanderpreis

1963

Ursel Völker

schießt 93 von 100 möglichen Ring !

1964

Katharina Lange

bekommt den Wanderpreis

1965

Ursel Völker

"Königin der Damengruppe"

1966

Ruth Sander

 

1967

Gerda Renner

 

1968

Marie Kluge

 

_____________________________________________________________

Jahr            Damenbeste        1. Dame                       2. Dame

________________________________________________________________________

1969

Heidi Crolly

Inge Hellberg

Gerda Renner

 

1970

Gerda Renner

Isi Grobe

Marie Kluge

 

1971

Katharina Lange

Marie Kluge

Gerda Renner

 

1972

Heidi Crolly

Marie Kluge

Bärbel Hermann

 

1973

Ruth Sander

Katharina Lange

Gerda Renner

 

1974

Bärbel Schneider

Erika Kluge

Katharina Lange

 

1975

Isi Grobe

Katharina Lange

Heidi Crolly

 

1976

Adelheid Winkelmann

Andrea Burkert

Ilse Dohrmann

 

1977

Susanne Hiestermann

Adelheid Winkelmann

Ruth Funk

 

1978

Ruth Funk

Erika Albers

Margrit Schade

1979

Adelheid Winkelmann

Ruth Funk

Gudrun Müller

1980

Thea Mohwinkel

Ruth Funk

Erika Albers

1981

Margrit Schade

Christine Kluge

Ruth Sander

1982

Ruth Sander

Thea Mohwinkel

Ruth Funk

1983

Ruth Funk

Gerda Renner

Susanne Hiestermann

1984

Ella Katzke

Thea Mohwinkel

Christel Bröckner

1985

Erika Albers

Helga König

Ella Katzke

1986

Helga König

Gerda Renner

Thea Mohwinkel

1987

Ella Katzke

Bärbel Schneider

Bärbel Hermann

1988

Thea Mohwinkel

Elke Sander

Ruth Funk

1989

Helga König

Marlies Tolle

Christel Bröckner

1990

Margrit Schade

Gudrun Stüber

Bärbel Hermann

1991

Christel Tolle

Helga König

Regina Weidner

1992

 Ursula Krüger

Christel Tolle

 Regina Weidner

1993

 Ella Katzke

Adelheid Winkelmann

Elke Bartholomäus

1994

Helga König

Bärbel Schneider

Gerda Renner

1995

Elke Bartholomäus

Ursula Krüger

Helga König

Das sportliche Schießen

 

Über das Schießen in den Jahren vor dem Kriege ist schon berichtet worden. Als der Verein 1949 wieder ins Leben gerufen wurde, war noch kein Gedanke an sportliches Schießen mit "echten" Gewehren. Die Besatzungsmacht verbot den Deutschen jeglichen Waffenbesitz.( Anmerkung: Jagdwaffen wurden im Ja­nuar , KK- Gewehre im Februar 1951 freigegeben.)

 

Im Dezember 1950 findet sich in den Protokollen zum ersten Mal ein Hinweis auf ein "Schnur- und Löffelschießen" mit Luftgewehr im Vereinslokal Gebers. Während im Sommer irgendwo im Freien geschossen wurde, fand das Schies­sen im Winterhalbjahr im Lokal statt. Zu diesem Zweck wurden die Fenster geöffnet und draußen 4 - 5m lange Holzkästen davorgehängt, die am Ende auf einem Bock ruhten. Im Clubzimmer wurden die Tische zusammengerückt und die Scheibenzuganlagen darauf montiert.

 In den Holzkästen befand sich am Ende eine Lampe und die Scheibe. Damals wurde noch mit Bolzen geschossen statt mit Bleikugeln. Die Schützen schos­sen aufgelegt auf den Tischen also aus dem Fenster raus. Wenn mal eine Scheibe aus der Haltevorrichtung fiel, weil die Zugdrähte nicht genug gespannt waren, kroch ein Junge in den Holzkasten und holte sie wieder.

 1951 wurde zum ersten Mal wieder mit KK geschossen. Waffenmeister Wil­helm Alms aus Bergen brachte die Gewehre zum Schießen mit und nahm sie dann wieder mit nach Hause.

 Ende 1952 wurde beschlossen, ein Schießbuch anzulegen, nach alten Regeln wieder Schützenschnüre auszuschießen und auch vereinseigene Gewehre an­zuschaffen. Ein KK- Gewehr kostete damals etwa 300,- DM. Übungsschießen war an jedem 2. und 3. Sonntag im Monat, im Sommer ab 15 Uhr, im Winter ab 14 Uhr.

 Man mußte sich immer wieder was einfallen lassen, um die Kameraden zum Schießen zu motivieren. Anreize waren in erster Linie natürlich die Schießaus­zeichnungen, Plaketten und Leistungsnadeln, dann aber auch Sachpreise.

Im November 1953 fand das erste Schweineschießen statt, bei dem es um Fleischpreise ging. 3 Schuß kosteten 1,50 DM, es durfte sitzend freihändig oder stehend an der Stange geschossen werden. Aber auch die Sachpreise konnten sich sehen lassen. Überliefert ist zum Beispiel von 1953, daß die bei­den besten Schützen – mit jeweils 30 Ring ! – eine Büfettuhr und ein Dutzend silberne Löffel bekamen. Weitere Sachpreise waren damals ein Damenfahrrad Marke Herkules oder ein Geschenkkarton Steinhäger mit Schnaps, Schinken und Schwarzbrot.

 Der Verein schickte dann bald einige Schützenbrüder zu Lehrgängen, in denen sie zu Schießwarten ausgebildet wurden. Die Kosten hierfür trug der Verein. Werner Crolly und Helmut Fabritz gehörten zu den ersten.

1958 hatte – wie im Kapitel Die Jugendgruppe berichtet – Heinrich Surborg die Betreuung der Jugendlichen übernommen. Deren Motivation und Trainingsfleiß färbten offensichtlich auf die Schützen der anderen Altersklassen ab. Jeden­falls spielte sich Ende der 50er Jahre im Schützenhaus ein reger Schießbetrieb ab. Die Trainingsstunden waren gut besucht, der Verein schaffte neue Ge­wehre an. Regelmäßig wurden die Vereinsmeister in den einzelnen Disziplinen und Altersklassen ausgeschossen.

 Die Erfolge blieben nicht aus. Im Jahre 1960 wurden allein 103 Meister­schaftsnadeln des DSB  (Deutscher Schützenbund ) erworben. Bei den Kreis­meisterschaften 1960 lagen die Hermannsburger Schützen noch im Mittelfeld. Allerdings hatten sich schon einige talentierte Meisterschützen an die Spitze gesetzt, deren Namen in der Folgezeit noch oft auftauchen sollten.

 Werner Crolly wurde in der Schützenklasse Luftgewehr Kreismeister 1960. Einer der ersten Jungschützen, deren Namen mit schöner Regelmäßigkeit in den Sie­gerlisten standen, war Helmut Brammer. Er gewann die Vereinsmei­sterschaft in 3 Waffenarten und wurde 1960 Kreismeister. Er war auch der er­ste, den die SG auf ihre Kosten zu einem Jugendschießwartlehrgang des Nie­dersächsi­schen Schützenverbandes schickte.

 Die 60er Jahre waren die erfolgreichsten in der ganzen Geschichte der SG.

 Es war tatsächlich eine ganz große Zeit des "Abstaubens" bei allen Wett­kämpfen auf Kreisebene, auf Bezirksebene und sogar bei den Landesmeister­schaften. Mit Augenzwinkern berichtete man später von anderen Wettkampf­teilnehmern die Worte: Wenn ihr Hermannsburger kommt, haben wir ja doch keine Chance und können ebensogut unsere Gewehre gleich wieder einpacken!

 Die Mehrzahl der Pokale, Plaketten und Urkunden im Schützenhaus stammt aus jener Zeit, und sie stammt überwiegend von der Jugendgruppe. Damit sollen die Leistungen der anderen Altersklassen nicht geschmälert werden. Aber ein Blick auf die Tabellen der Meisterschaften in den Jahren 1961 bis 1969 zeigt deutlich das Übergewicht der Jugend.

 1961 nahmen schon 12 Mannschaften aus Hermannsburg an den Kreismei­sterschaften teil, und zwar je 4 in den Disziplinen Luftgewehr, Kleinkaliber 50m und Scheibengewehr 100m. Sie errangen 4 Mannschaftsssiege und 4 Kreis­meistertitel in der Einzelwertung.

 Beachtenswert ist, daß hier schon die Da­mengruppe "siegreich" in Erschei­nung trat, die erst im Jahr zuvor gebildet wurde.

 1962 erschien zum ersten Mal eine Luftpistolenmannschaft aus Hermannburg bei den Kreismeisterschaften und setzte sich an die Spitze. Es waren die Altersschützen mit Heinrich Surborg, der Kreismeister in der Einzelwertung wurde.

1963 konnte der Schießmeister 116 Leistungsnadeln des DSB vergeben. Ne­ben den Ehren eines Kreismeisters brachten die Hermannsburger Schützen jetzt auch Meistertitel von den Wettkämpfen auf Bezirksebene mit, und der Jungschütze Wolfgang Crolly wurde Landesmeister im 100m- Schießen ! Damit stand die Schützengesellschaft leistungsmäßig an erster Stelle im Kreis­verband  Celle !

 Neben den offiziellen Titelkämpfen nahmen die Hermannsburger Schützen in jener Zeit auch überaus erfolgreich an den traditionellen Pokalschießen der Nachbarvereine im Landkreis Celle und der befreundeten Vereine in ganz Nie­dersachsen teil. Man braucht nur einen Blick in den Trophäenschrank im Schützenhaus zu werfen.

 Zu erwähnen ist hier vielleicht das Schießen um den "Hans Eidig- Pokal" in Salzhausen bei Lüneburg. Das war ein echt silberner Wanderpokal, den die Hermannsburger mehrfach nach Hause holten. Als zusätzlichen Preis gab es dazu 25 Literflaschen "Haidmärker"- Doppelkorn, den eine dort ansässige Kornbrennerei gestiftet hatte.  Dieser Korn wurde zu günstigen Preisen an Schützenbrüder verkauft, und von dem Erlös wurden die ersten vereinseigenen Luftpistolen angeschafft.

 

 Ein Spitzenergebnis für die Hermannsburger Sportschützen brachte dann aber das Jahr 1965. Von den Kreismeisterschaften brachten sie 6 erste Plätze in der Mannschaftswertung mit und 4 Kreismeistertitel aus der Einzelwertung. Von den Bezirksmeisterschaften in Burgdorf (Bezirk Heide) holten sie 3 erste Mannschaftsplätze, und bei den Landesmeisterschaften ging im KK- Schießen die Jugendmannschaft als Sieger hervor. Doch damit nicht genug !

In Hannover fand das 23. Deutsche Bundesschießen statt. Mit einem Gesamt­teiler von 869 wurde Veit Schmidt Schützenprinz, und Wolfgang Crolly wurde  mit einem Gesamtteiler von 1316 Dritter mit dem Titel Ritter.

 Veit Schmidt gewann außerdem noch das 10- Schuß- Freihandschießen mit dem KK- Gewehr auf 50m.

Die Turnierleitung übermittelte die Schießergebnisse telegrafisch dem Heimat­verein, der niedersächsische Innenminister schickte einen Glückwunsch, alle großen überregionalen Zeitungen berichteten darübernur die Cellesche Zei­tung nicht !

 Das bemängelte dann auch der Vorsitzende Dr. Brammer bei seiner Schüt­zen­festansprache wenige Wochen später. Die so gerügte Heimatzeitung, die bisher immer brav berichtet hatte, ließ das aber nicht auf sich sitzen und fügte ihrem Festbericht eine redaktionelle Anmerkung bei:

" Warum hat der Vorstand die Heimatzeitung nicht unterrichtet oder für die Jungschützen bei ihrer Rückkehr aus Hannover einen Empfang gegeben, zu welchem die Presse eingeladen werden konnte ?? " Damit hatte sie nicht ganz unrecht. Der Verein seinerseits wollte sich die Bekanntgabe wohl als besonde­ren Bonbon bis zum Schützenfest aufheben, und so war es zu einer Panne ge­kommen.

Wer die Siegerlisten liest, wird merken, daß abgesehen von den Spitzensport­lern immer wieder neue Namen auftauchen. Tatsächlich konnte die SG in je­dem Jahr neue Schützen in den Wettkampf schicken. Es war infolge konse­quenter Breitenarbeit ein großes Reservoir an guten Schützen vorhanden, die auch nachrücken konnten, wenn Ältere aus beruflichen Gründen Hermanns­burg verließen.

 Interessant ist hierbei, daß die meisten Zöglinge Heinrich Surborgs dem Schießsport auch nach ihrem Wegzug von Hermannsburg treublieben.

So wurde zum Beispiel Helmut Brammer später zweifacher Landesmeister von Niederbayern. Karl- Heinz Rosenbrock wurde von seinem neuen Braun­schweiger Verein zu jeder Landesmeisterschaft entsandt. Wolfgang Crolly setzte die Serie seiner Erfolge in einem Celler Verein fort. Erika Brammer  ist bis heute eine begeisterte und erfolgreiche Sportschützin. Veit Schmidt fand als Aktiver an jedem Ort seiner beruflichen Tätigkeit Anschluß an die heimi­schen Schützenvereine, trainierte eine erfolgreiche Jugendmannschaft, holte selbst viele Kreis- und Bezirksmeistertitel.

 Was nun das Jahr 1966 betrifft, so wollen wir hier im Wesentlichen die Berich­te der Celleschen Zeitung sprechen lassen. Die CZ macht seit Jahren eine Le­serumfrage und sucht die erfolgreichsten Heimatsportler. Sie möchte damit auch viele Leser, die nicht unmittelbar mit dem Sport zu tun haben, auf die Er­folge der Sportler aus der Stadt und dem Landkreis Celle aufmerksam ma­chen. Die zur Auswahl stehenden Sportler, Sportlerinnen und Mannschaften werden den Lesern mit einer kurzgefaßten Aufstellung ihrer Leistungen vorge­stellt. Ende des Jahres 1966 erschienen zum ersten Mal Sportschützen dabei. Die Zeitung schrieb:

 Erstmalig die Schützen dabei und Deutscher Vizemeister in Hermannsburg !

 

Also stellte die CZ Wolf­gang Crolly und Rüdiger Stuke, sowie die Mann­schaft der SG Her­mannsburg ihren Lesern zur Wahl. In jeder Zei­tung war ein Stimm­zettel abgedruckt, in den die Leser die ihrer Meinung nach besten 10 Sportler, die besten 10 Sportlerin­nen und die 3 erfolg­reichsten Mannschaften des Jah­res eintragen sollten.

 Das Ergebnis sah so aus: Wolfgang Crolly kam auf Platz 3, Rüdiger Stuke auf Platz 5, und die Mannschaft der SG stand auf Platz 3 !

 Bei den jährlich stattfin­denden Junioren- Län­derkämpfen Niedersach­sen ge­gen Rheinland- Pfalz, bzw. gegen Nord­rhein- Westfalen waren im Jahre 1967 von den ausgewählten 8 Schüt­zen allein 3 Hermanns­burger!

Wolfgang Crolly war mit 1105 Ring von 1200 möglichen im KK- Drei­stellungs­kampf (liegend-, stehend- und kniend-freihändig) nicht nur be­ster Schütze für Nieder­sachsen, sondern konnte sich mit die­sem bisher einmali­gen Ergebnis an die Spitze der beteilig­ten Landesverbände setzen. Der Lohn war die Einladung zu den Endkämpfen in Wiesbaden (Bayern, Nordwest-deutschland und Hes­sen).

Als einziger Vertreter Niedersachsens konnte er mit 555 Ring im  60- Schuß- Dreistellungskampf in der Einzelwertung den 3. Platz belegen.

 Einen weiteren und jedoch auch einen der letzten Höhepunkte brachte das Schießjahr 1968. Die neugebildete Juniorenmannschaft mit den Schützen Ein­hard Schmidt, Wolf- Dietrich Schade und Wolfgang Crolly konnte nahtlos an die vorhergehenden Erfolge anschließen. Neben sämtlichen Kreis- und Be­zirksmeistertiteln (!) errang diese Mannschaft in Hannover noch den Landes­meister in den Disziplinen 50m KK und 100m- Schießen, sowie den Titel Vize­landesmeister im Luftgewehrschießen und Olympisch Match! Wolfgang Crolly holte noch 2 Landesmeister- und 2 Vizelandesmeisterschaften in der Einzel­wertung. Aufgrund seiner Leistungen wurde er zu mehreren Trainingslehrgängen vom Deutschen Schützenbund in Wiesbaden eingeladen und gehörte in den Jahren 1967 und 1968 zur Junioren- Nationalmannschaft des DSB. In dieser Zeit nahm er erfolgreich an internationalen Länderkämpfen zwischen Deutschland und Frankreich teil, die teils in Nancy, teils in Wiesbaden stattfanden.  So hatte der Name Hermannburg auf allen Schießständen weit und breit einen hervorragenden Klang, und die SG Hermannsburg war mächtig stolz auf ihre Schützen.

Innerhalb dieser großen Schützenge­sellschaft hielten natürlich die aktiven Schützen besonders gut zusammen. Sie alle waren verbunden durch ständiges gemeinsames Training, durch gemeinsame Fahrten zu Wettkämpfen und die gemeinsam erlebte Siegesfreude oder auch Enttäuschung. So war es nicht verwunderlich, daß sie auch unter sich feiern wollten.

 Das machten sie erstmals am Jahresende 1966 in Form eines Heid­schnuckenschießens, wobei Essen und Trinken frei waren, sozusagen als Be­lohnung für die regelmäßige Teilnahme an den Schießabenden.

1968 wurden – um ein Beispiel zu nennen – folgende Preise ausgeschossen: eine Heidschnucke, 22 Hähnchen, 8 Enten und 4 Putenkeulen. Aus der Heid­schnucke wurde später ein Schwein, es blieb aber die Tradition des Jahresab­schlußfestes der aktiven Schützen bis heute.

 Natürlich war die SG Hermannsburg nicht abonniert auf erste Plätze und Mei­stertitel. Es kamen auch "magere Jahre". Nach den schießsportlichen Höhen­flügen kamen die Hermannsburger Schützen sozusagen wieder auf den Tep­pich zurück.

Aber sind Siegerehren auf Kreisebene kein Grund zur Freude?

Um die Plazierungen im Kreisverband richtig werten zu können, sei die Stärke der Konkurrenz mit folgenden Zahlen belegt. An den Kreismeisterschaften 1961 nahmen nur in der Disziplin Luftgewehr 88 Mannschaften mit 369 Schüt­zen teil.

 1962 waren es 118 Mannschaften mit 489 Schützen, 1964 sogar 138 Mann­schaften, davon allein 29 Damenmannschaften. Insgesamt standen in jenem Jahr 576  Schützen und Schützinnen vor den LG- Scheiben! In allen 4 Waffen­arten standen z.B. 1963 insgesamt 942 Schützen im Wettkampf.

 Die Auswertung der Zeitungsberichte über die ersten Plätze bei den Kreismei­sterschaften in den folgenden Jahren 1969 bis 1975 etwa ergibt im Durch­schnitt 12 mal die Nennung SG Hermannsburg als Heimatverein.

 Eine Privatstatistik hatte sich 1973 Kreissportwart Kurt Beyer aus Celle ge­macht, indem er die ersten  drei Plätze bei allen Wettbewerben auf Kreisebene ausgewertet und in ein Punktesystem übersetzt hatte. Danach bekam Her­mannsburg 36 Punkte gegenüber 24 Punkten des nächstbesten Vereins!

Leider existieren beim Kreisverband keine offiziellen Siegerlisten aus jenen Jahren. Außer den erwähnten Zeitungsberichten und persönlichen Aufzeich­nungen einiger Wettkampfteilnehmer beruhen die folgenden Tabellen noch auf der Auswertung eines großen Stapels von Siegerurkunden aus dem Archiv der SG. So groß, daß man damit bequem eine Längswand des Schützenhauses  hätte tapezieren können. Von Kreismeissterschaften, Rundenwettkämpfen, Vereinsvergleichsschießen, der Vorwerker Schießsportwoche. Von diesen sind nur erstere, und zwar auch nur die Mannschaftswertung, herausgezogen wor­den für einige interessante Jahre.

Was hier zu lesen ist, ist authentisch, aber nicht unbedingt vollständig.

Das Schießsportjahr 1962

 

Kreismeisterschaften

Disziplin

Klasse

Platz

Mannschaft

Einzelwertung

 

 

 

 

 

 

 

LG

Schützen A

 2..

 

2. K.-H. Rosenbrock

 

 

Damen

 1.

Katharina Lange  Sigrid Luhmann

Erika Brammer  Lieselotte Crolly

2. Katharina Lange

3. Sigrid Luhmann

 

 

Jugend

 2.

 

1. Veit Schmidt

 

 

Schützen B

 

 

1. Eckehard Hermsdorf

 

KK 50 m

Schützen

 1.

K.-H. Rosenbrock  Werner Crolly

Helmut Brammer  Herbert Albers

1. K.-H. Rosenbrock

2. Helmut Brammer

 

 

Damen

 2.

Katharina Lange  Sigrid Luhmann

Erika Brammer  Lieselotte Crolly

3. Erika Brammer

 

 

 

Jugend

 2.

Rüdiger Stuke  Veit Schmidt

Wolfgang Crolly  Udo Hagemann

1. Wolfgang Crolly

 

100 m

Jugend

 1.

Peter Brammer  Veit Schmidt

Wolfgang Crolly  Udo Hagemann

2. Udo Hagemann

3. Wolfgang Crolly

 

 

Schützen B

 3.

 

1. K.-H. Rosenbrock

 

 

Damen

 1.

wie 50m- Mannschaft

2. Sigrid Luhmann

3. Erika Brammer

 

 

Alters

 

 

3. Heinrich Surborg

 

Luftpistole

Jugend

 2.

wie 100m- Mannschaft

3. Wolfgang Crolly

 

 

Alters

 1.

Hch. Hormann  Hermann Brammer

Heinrich Surborg  Max Weber

1. Heinrich Surborg

 

 

Damen

 

 

2. Lieselotte Crolly

 

 

 

 

 

3. Erika Brammer

 

__________________________________________________________________________

weitere Erfolge:

 

5. Kreisvergleichsschießen KK 50 m - 10 Schuß liegend - Mannschaft mit 10 Schützen

1. Platzund Gewinner des Wanderpreises des Kreisschützenverbandes Celle

mit den Schützen Heinrich Surborg, Hermann Brammer, Max Weber, Hardu Weber, Helmut Fabritz

Werner Crolly, K.-H. Rosenbrock, Herbert Albers, Katharina Lange und Wilhelm Nöschel

 

4. Kreisvergleichsschießen LG - Jugendmannschaft mit 10 Schützen

1. Platz mit den Schützen Wolfgang Crolly, Veit Schmidt, Udo Hagemann, Peter Brammer,

H. Prüser, Rüdiger  Stuke, Helmut Pawelzik, Werner Felsner, Günter Klaus, Wolf- D. Schade

in der Einzelwertung: 1. Platz  Veit Schmidt  2. Platz Peter Brammer  3. Platz Udo Hagemann

 

 

Das Schießsportjahr 1963

 

Kreismeisterschaften

 

Disziplin

Klasse

Platz

Mannschaft

Einzelwertung

 

 

 

 

 

LG

Damen

 2.

Erika Brammer  Lieselotte Crolly

Katharina Lange  Ursel  Völker

 

 

Jugend

 1.

Wolfgang Crolly  Udo Hagemann

Peter Brammer  Veit Schmidt

1. Veit Schmidt

2. Wolfgang Crolly

KK 50 m

Schützen B

 1.

Werner Crolly  K.-H. Rosenbrock

H.-J. Meyerhoff  Herbert Albers

1. K.-H. Rosenbrock

 

Jugend

 1.

wie LG Jugendmannschaft

2. Wolfgang Crolly

3. Udo Hagemann

 

Damen

 1.

wie LG Damenmannschaft

3. Erika Brammer

 

Alters

 3.

Heinrich Surborg  Hermann Brammer

Heinrich Renner  P. Winterhoff

 

100 m

Schützen

 1.

wie 50 m- Mannschaft

2. K.-H. Rosenbrock

 

Jugend

 1.

wie 50 m- Mannschaft

1. Wolfgang Crolly

3. Udo Hagemann

 

Damen

 1.

wie LG - Mannschaft

1. Ursel  Völker

2. Lieselotte Crolly

3. Katharina Lange

Luftpistole

Jugend

 1.

wie 50 m- Mannschaft

3. Wolfgang Crolly

 

Damen

 2.

Otti Alvermann  Lieselotte Crolly

Katharina Lange  Ursel Völker

3. Lieselotte Crolly

 

Alters

 

 

2. Heinrich Surborg

 

_________________________________________________________________________

weitere Erfolge :

 

5. Kreisvergleichsschießen LG - Jugendmannschaft mit 10 Schützen      1. Platz mit den Schützen

Peter Brammer, Wolfgang Crolly, Udo Hagemann,  Günter Klaus, Veit Schmidt, Rüdiger Stuke, Einhard Schmidt, Peter Bleich, Helmut Pawelzik, Wolf- Dieter Schade

Schützenmannschaft und Damenmannschaft je einen 2. Platz

 

Bezirksmeisterschaft Heide in Burgdorf ( beteiligt waren die Kreisverbände Burgdorf, Peine, Hannover- Nord, Wedemark und Celle Stadt und Land )

Jugendmannschaft mit den Schützen Wolfgang Crolly, Peter Brammer, Udo Hagemann und

Veit Schmidt 1. Platz !   Weiter eine Damenmannschaft 3. Platz.

 

 

Das Schießsportjahr 1964

 

Kreismeisterschaften

 

Disziplin

Klasse     

Platz

Mannschaft

Einzelwertung

 

LG

Jugend

 1.

W.-D. Schade  Peter Brammer

Günther Klaus  Einhard Schmidt

1. W.-D. Schade

 

Junioren

 1.

Udo Hagemann  Wolfgang Crolly

Veit Schmidt  Peter Bleich

3. Veit Schmidt

 

Damen

 3.

Lieselotte Crolly  Ruth Sander

Erika Brammer  Ursel Völker

1. Erika Brammer

KK 50m

Junioren

 1.

Wolfgang Crolly  Udo Hagemann

Veit Schmidt  Rüdiger Stuke

1. Wolfgang Crolly

3. Udo Hagemann

 

Damen

 1.

Katharina Lange  Ursel Völker

Erika Brammer  Lieselotte Crolly

1. Ursel Völker

 

Alters

 3.

Hermann Brammer  Max Weber

Karl Laval  Heinrich Surborg

 

100m

Schützen

 3.

Werner Crolly  Eckehard Hermsdorf

Wilhelm Nöschel  H.-J. Meyerhoff

 

 

Junioren

 2.

Wolfgang Crolly  Udo Hagemann

Helmut Pawelzik  Veit  Schmidt

1. Wolfgang Crolly

3. Veit Schmidt

 

Damen

 1.

wie 50m- Mannschaft

1. Erika Brammer

 

Alters

 

 

2. Heinrich Surborg

Lupi

Junioren

 2.

Wolfgang Crolly  Veit Schmidt

Udo Hagemann  Rolf Weber

2. Wolfgang Crolly

Olymp.

Match

Junioren

 1.

Wolfgang Crolly  Veit Schmidt

Udo Hagemann  Rüdiger Stuke

3. Veit Schmidt

 

weitere Erfolge:

 

Wanderpreis des Kreisschützenverbandes Celle, LG Juniorenmannschaft mit 10 Schützen

1. Platz mit  den Schützen Wolfgang Crolly, Veit und Einhard Schmidt, W.-D. Schade, Rüdiger Stuke, Peter Brammer, Peter Bleich, K.-H. Rosenbrock, Rolf Weber und Helmut Pawelzik.

In der Einzelwertung: 2. Veit Schmidt, 3. Wolfgang Crolly

 

6. Vereinsvergleichsschießen KK Juniorenmannschaft mit 10 Schützen:

 1. Platz mit den Schützen Wolfgang Crolly, Veit und Einhard Schmidt, W.-D. Schade, Rüdiger Stuke, Peter Brammer, Günter Klaus, Udo Hagemann, K.-H. Rosenbrock und Helmut Pawelzik.

In der Einzelwertung: 1. Helmut Pawelzik, 2. Rüdiger Stuke.

 

Das Schießsportjahr 1965

 

Kreismeisterschaften

 

Disziplin

Klasse

Platz

Mannschaft

Einzelwertung

 

 

 

 

 

LG

Jugend

 1.

?

 

 

Junioren

 1.

?

3. Wolfgang  Crolly

 

Schützen C

 1.

?

 

KK 50m

Junioren

 1.

Wolfgang Crolly  Rüdiger Stuke

Veit  Schmidt  Einhard Schmidt

1. Wolfgang Crolly

2. Einhard Schmidt

 

Damen

 2.

Lieselotte Crolly  Ursel Völker

Katharina Lange  Erika Brammer

3. Erika Brammer

100m

Junioren

 1.

wie 50m- Mannschaft

1. Wolfgang Crolly

3. Veit Schmidt

 

Damen

 2.

wie 50m- Mannschaft

2. Katharina Lange

3. Ursel Völker

Olymp.

Match

Schützen

 3.

?

 

 

Junioren

 1.